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"Einsatzgruppe"

NS-Vokabular
Datum: 1958

Nutzungshäufigkeit

Einsatzgruppe"
Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Hintergrund:
Der Begriff "Einsatzgruppe" bezeichnete mobile Terror- und Tötungseinheiten der Sicherheitspolizei (SiPo) und des Sicherheitsdienstes (SD) der SS. Sie wurden ab 1938 bei deutschen territorialen Expansionen eingesetzt, zunächst in Österreich und der Tschechoslowakei. Während des Krieges gegen Polen 1939 ermordeten sie Tausende von Angehörigen der polnischen Intelligenz und terrorisierten die jüdische Bevölkerung. Ihre umfangreichste und verbrecherischste Tätigkeit entfalteten die Einsatzgruppen im Krieg gegen die Sowjetunion ab 1941, wo sie im Rahmen des "Unternehmens Barbarossa" Massenmorde an Juden, Kommunisten, Roma und anderen vermeintlichen Feinden des Reiches verübten. Nach dem Krieg wurden einige Mitglieder der Einsatzgruppen in den Nürnberger Prozessen und im Ulmer Einsatzgruppen-Prozess zur Rechenschaft gezogen, jedoch kehrten viele Täter unbescholten ins bürgerliche Leben zurück. Die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Einsatzgruppen und dem Begriff selbst ist bis heute wichtig, um die NS-Vergangenheit aufzuarbeiten und Lehren daraus zu ziehen.
Kontext:
Der Begriff "Einsatzgruppe" erlangte im Ulmer Einsatzgruppen-Prozess von 1958 eine besondere Bedeutung, da hier erstmals in der Bundesrepublik Deutschland die Verbrechen dieser SS-Einheiten juristisch aufgearbeitet wurden. Das Urteil begründete die fragwürdige Gehilfenrechtsprechung, die die eigenhändig Tötenden und die Befehlsgeber nicht als Täter, sondern als Gehilfen qualifizierte. Jürgen Baumann kritisierte diese Rechtsprechung sarkastisch mit den Worten: „Ein Täter und 60 Millionen Gehilfen.“ Die Auseinandersetzung mit dem Begriff und den damit verbundenen Verbrechen ist bis heute relevant, um die Gräueltaten des NS-Regimes aufzuarbeiten und zu verhindern, dass solche Verbrechen jemals wieder geschehen. Die Verwendung des Begriffs in der heutigen Zeit ist daher stets mit der Erinnerung an die NS-Verbrechen verbunden.
NS-Nachweis

Der Begriff "Einsatzgruppe" ist untrennbar mit den nationalsozialistischen Verbrechen verbunden. Die Einsatzgruppen waren ein zentrales Instrument der "Endlösung der Judenfrage" und des Vernichtungskrieges im Osten. Ihre Taten sind durch zahlreiche Dokumente, Zeugenaussagen und Gerichtsurteile belegt. Die Forschung zu den Einsatzgruppen ist umfangreich, darunter Werke wie Christopher Brownings "Ganz normale Männer", die die Beteiligung "ganz normaler" Bürger an den Massenmorden analysiert. Das United States Holocaust Memorial Museum (USHMM) dokumentiert die Verbrechen der Einsatzgruppen umfassend. Die Einsatzberichte der Einsatzgruppen, die an das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) gesendet wurden, sind ein zentrales Dokument der NS-Vernichtungspolitik.

Strategische Funktion

1. DEHUMANISIERUNG: Durch die Verwendung des Begriffs "Einsatzgruppe" wird die systematische Ermordung von Menschen in einen bürokratischen und militärischen Kontext gestellt, was die Gräueltaten verschleiert und die Täter entmenschlicht.
2. VERHARMLOSUNG: Die Bezeichnung "Einsatzgruppe" suggeriert eine operative Einheit mit einem legitimen Auftrag, während es sich tatsächlich um mobile Mordkommandos handelte, die Massenmorde verübten. Dies kann dazu dienen, die Verbrechen zu verharmlosen und die Verantwortung der Täter zu relativieren.
3. GESCHICHTSREVISIONISMUS: Die Verwendung des Begriffs "Einsatzgruppe" ohne Kontextualisierung und ohne Bezugnahme auf die damit verbundenen Verbrechen kann dazu beitragen, die NS-Vergangenheit zu relativieren und zu verfälschen. Dies kann insbesondere dann geschehen, wenn der Begriff in einem positiven oder neutralen Kontext verwendet wird.
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