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"Alles für Deutschland"

NS-Vokabular
Von: Rechtsextreme Politiker, Parteien wie die AfD (indirekt), Neonazi-Gruppierungen, Identitäre Bewegung
Datum: Vor allem seit 2015, insbesondere im Kontext von Demonstrationen und Social-Media-Aktivitäten rechtsextremer Gruppierungen
Hintergrund:
Der Begriff 'Alles für Deutschland' hat eine Geschichte, die vor dem Nationalsozialismus beginnt, wo er im Kontext nationaler Hingabe verwendet wurde. Im NS-Regime wurde er jedoch durch die SA systematisch instrumentalisiert und ideologisch aufgeladen, um bedingungslose Loyalität zu fordern. Nach 1945 geriet der Begriff aufgrund seiner engen Verbindung zum NS-Regime in Verruf. In jüngster Zeit wird er von rechtsextremen Gruppierungen wieder aufgegriffen, um an die NS-Zeit anzuknüpfen, eine vermeintliche 'deutsche Identität' zu beschwören und die NS-Verbrechen zu relativieren.
Kontext:
Der Slogan wird auf Demonstrationen, in Social-Media-Posts und vereinzelt in politischen Reden von Rechtsextremen verwendet, oft in Verbindung mit Forderungen nach einer vermeintlich 'deutschen Identität' und Kritik an der aktuellen Politik.
NS-Nachweis

Der Begriff 'Alles für Deutschland' wurde im Nationalsozialismus durch die SA popularisiert und war auf ihren Koppelschlössern eingeprägt. Obwohl er nicht in Gesetzen verankert war, war er integraler Bestandteil der NS-Propaganda. Die Verwendung des Begriffs ist NS-kontaminiert, da er untrennbar mit der Ideologie und den Verbrechen des NS-Regimes verbunden ist. Siehe Schmitz-Berning, Cornelia (2007): *Vokabular des Nationalsozialismus*. De Gruyter. DOI: https://doi.org/10.1515/9783110927222 (analysiert die Verwendung von Schlüsselbegriffen und Slogans im NS-Regime).

Strategische Funktion

Die Verwendung des Begriffs 'Alles für Deutschland' heute bezweckt:

1. Etablierung einer Kontinuität zur NS-Zeit: Durch die Wiederbelebung des Slogans wird bewusst an die NS-Vergangenheit angeknüpft, um eine vermeintliche 'deutsche Tradition' zu beschwören und die NS-Zeit zu relativieren. Dies gefährdet die Demokratie, indem es die Gräueltaten des NS-Regimes verharmlost und die Erinnerungskultur untergräbt.
2. Mobilisierung rechtsextremer Anhänger: Der Begriff dient als Erkennungszeichen und Identifikationssymbol für rechtsextreme Kreise und soll deren Zusammenhalt stärken. Dies ist demokratiegefährdend, da es die Bildung von extremistischen Netzwerken fördert, die die freiheitliche Grundordnung ablehnen.
3. Normalisierung rechtsextremer Ideologien: Durch die Verwendung des Slogans in der Öffentlichkeit soll die Akzeptanz rechtsextremer Positionen erhöht und die Grenzen des Sagbaren verschoben werden. Dies untergräbt die Demokratie, indem es die öffentliche Meinung in Richtung extremistischer Ideologien verschiebt und den demokratischen Diskurs verzerrt.
4. Provokation und Tabubruch: Die bewusste Verwendung eines NS-belasteten Begriffs dient als Provokation und Tabubruch, um Aufmerksamkeit zu erregen und die politische Debatte zu polarisieren. Dies gefährdet die Demokratie, indem es zu einer Verrohung der politischen Auseinandersetzung beiträgt und den Konsens über grundlegende Werte untergräbt.
5. Unterwanderung des demokratischen Diskurses: Der Begriff wird verwendet, um Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen zu säen und eine vermeintliche 'Volksgemeinschaft' gegen 'die da oben' zu konstruieren. Dies ist demokratiegefährdend, da es das Vertrauen in die Demokratie untergräbt und die Spaltung der Gesellschaft fördert.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Quiz: Wahre Bedeutung

Was bedeutet der Begriff "Alles für Deutschland" tatsächlich? Wähle die korrekte Aussage aus.

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