"Bombenholocaust"
NS-VokabularNutzungshäufigkeit
Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).
Der Begriff "Bombenholocaust" entstand in den 2000er Jahren im rechtsextremen Milieu, insbesondere durch die NPD, um die Bombardierung Dresdens mit dem Holocaust an den Juden gleichzusetzen. Die NS-Propaganda unter Joseph Goebbels versuchte bereits 1945, die Zerstörung Dresdens für ihre Zwecke zu nutzen, indem sie falsche Opferzahlen verbreitete und die Stadt als unschuldig darstellte. Nach 1945 wurde die Erinnerung an Dresden in der DDR politisch instrumentalisiert, um ein Bild von deutschen Opfern zu zeichnen. In den 1990er Jahren griffen Neonazis diese Propaganda auf und inszenierten Aufmärsche. Heute wird der Begriff vor allem von rechtsextremen Akteuren verwendet, um eine geschichtsrevisionistische Erzählung zu verbreiten und die deutsche Opferrolle zu betonen.
Der Begriff "Bombenholocaust" wird vor allem im Kontext des Gedenkens an die Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 verwendet. Rechtsextreme Gruppierungen wie die NPD instrumentalisieren diesen Tag, um eine vermeintliche deutsche Opferrolle zu konstruieren und die NS-Verbrechen zu relativieren. So trugen Akteure der Partei "Die Rechte" am 13. Februar 2022 ein Banner mit der Aufschrift "Bombenholocaust". Die Staatsanwaltschaft Dresden stellte ein Verfahren ein, was zu Kritik führte. Der Begriff wird genutzt, um die Bombardierung Dresdens mit dem Holocaust gleichzusetzen und somit die Einzigartigkeit des Holocaust zu verharmlosen.
Der Begriff "Bombenholocaust" ist zwar nicht direkt im Nationalsozialismus entstanden, wird aber durch die Gleichsetzung der Bombardierung Dresdens mit dem Holocaust in den Kontext der NS-Ideologie gestellt. Die bewusste Verwendung des Wortes "Holocaust" dient dazu, die Singularität des NS-Völkermords zu relativieren und zu verharmlosen. Diese Strategie der Geschichtsrevision wird in der Forschung als Versuch der Täter-Opfer-Umkehr analysiert. Die Instrumentalisierung von Leid zur Verharmlosung des Holocaust ist ein bekanntes Muster rechtsextremer Ideologie.