"Ausmerzen"
RückläufigNutzungshäufigkeit
Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).
Der Begriff 'Ausmerzen' stammt ursprünglich aus der Landwirtschaft und bezeichnete das Aussortieren von schwachen oder unbrauchbaren Tieren, insbesondere in der Schafzucht im März (Merz). Im 18. Jahrhundert erweiterte sich die Bedeutung auf das Aussortieren von Schlechtem oder Untauglichem im Allgemeinen. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde 'Ausmerzen' jedoch pervertiert und im Sinne von 'töten' oder 'vernichten' verwendet, insbesondere im Kontext der sogenannten 'Rassenhygiene'. Nach 1945 geriet der Begriff aufgrund seiner NS-Belastung weitgehend in Vergessenheit, erfuhr aber in den letzten Jahren eine Wiederbelebung in rechtsextremen Kreisen, die ihn zur Diffamierung und Entmenschlichung ihrer politischen Gegner nutzen. Die Verwendung des Wortes dient dazu, an die Ideologie der NS-Zeit anzuknüpfen und eine Atmosphäre der Ausgrenzung und Gewalt zu schüren.
Der Begriff 'Ausmerzen' wurde im Kontext der Propaganda des Dritten Reiches verwendet, insbesondere im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli 1944. Obwohl der Begriff 'Attentat' selbst tabuisiert wurde, um negative Ereignisse zu verschleiern, wurde 'Ausmerzen' genutzt, um die vermeintlichen Verräter zu diffamieren und die Notwendigkeit ihrer Beseitigung zu betonen. Die Nationalsozialisten versuchten, eine einheitliche Darstellung des Geschehens zu erzwingen und jeglichen Widerstand zu unterdrücken. Die Verwendung von 'Ausmerzen' diente dazu, die Bevölkerung auf die Linie des Regimes einzuschwören und den Durchhaltewillen zu stärken. Die Propaganda zielte darauf ab, jegliche Zweifel an der Führung zu beseitigen und die Bevölkerung von der Notwendigkeit des Endsieg zu überzeugen. Die Verwendung des Begriffs trug zur Entmenschlichung der Gegner bei.
Die NS-Instrumentalisierung des Begriffs 'Ausmerzen' ist durch zahlreiche historische Dokumente und wissenschaftliche Arbeiten belegt. Viktor Klemperer analysierte in seiner 'LTI – Notizbuch eines Philologen' die NS-Sprache und deren Wirkung auf die Gesellschaft. Der Begriff wurde im Kontext der NS-Rassenhygiene verwendet, um die Vernichtung von als 'minderwertig' betrachteten Menschen zu rechtfertigen (siehe z.B. Götz Aly, 'Die Belasteten'). Die Verwendung des Begriffs in diesem Kontext ist ein klarer Beleg für seine NS-Kontamination. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb.de) thematisiert regelmäßig die NS-Sprache und ihre Nachwirkungen.