Nutzungshäufigkeit
Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).
Der Begriff 'Arbeitsdienst' hat seine Wurzeln in der Zeit vor dem Nationalsozialismus, wurde aber durch die NS-Ideologie massiv umgedeutet und instrumentalisiert. Bereits in der Weimarer Republik gab es den 'Freiwilligen Arbeitsdienst' (FAD) als Maßnahme zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. 1931 wurde der FAD als öffentlich gefördertes Beschäftigungsprogramm eingeführt. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der Arbeitsdienst ab 1935 unter der Leitung von Konstantin Hierl1 zwangsweise für junge Männer eingeführt und später auch auf Frauen ausgeweitet. Der Reichsarbeitsdienst (RAD) diente nicht nur der Verrichtung gemeinnütziger Arbeiten, sondern vor allem der ideologischen Schulung und militärischen Vorbereitung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der RAD aufgelöst, doch der Begriff 'Arbeitsdienst' blieb in verschiedenen Kontexten erhalten. In der DDR existierte der 'Arbeitsdienst 'Dienst für Deutschland'', der ähnliche Ziele verfolgte. Heute wird der Begriff gelegentlich von rechtsextremen Gruppierungen verwendet, um an die NS-Zeit anzuknüpfen und eine vermeintliche 'Volksgemeinschaft' zu beschwören.
Der Begriff 'Arbeitsdienst' erfuhr im Nationalsozialismus eine massive Aufwertung und Instrumentalisierung. Am 26. Juni 1935 wurde der freiwillige Arbeitsdienst (FAD) durch ein Reichsgesetz in eine Arbeitsdienstpflicht umgewandelt. Dieses Gesetz definierte, wer zum Reichsarbeitsdienst (RAD) herangezogen wurde und wer nicht, wobei 'Nichtarier', mit 'Nichtariern' verheiratete Personen und körperlich Untaugliche ausgeschlossen wurden. Der RAD diente als Instrument zur ideologischen Schulung und zur Vorbereitung junger Männer auf den Wehrdienst. Die NS-Propaganda stilisierte den Arbeitsdienst als 'Dienst am Volk' und als Mittel zur Überwindung von Klassengegensätzen. Der Arbeitsdienst wurde somit zu einem zentralen Element der NS-Gesellschaftspolitik und zur Vorbereitung auf den Krieg.
Die NS-Instrumentalisierung des 'Arbeitsdienstes' ist umfassend dokumentiert und analysiert. Historiker wie Michael Wildt und Klaus-Michael Mallmann haben in ihren Werken die Rolle des RAD bei der Formierung der NS-Gesellschaft und der Vorbereitung auf den Krieg herausgearbeitet. Das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) hat zahlreiche Dokumente und Analysen zum Thema veröffentlicht, die die ideologische Durchdringung und die Zwangsarbeit im Rahmen des RAD belegen. Die Propaganda des NS-Regimes stilisierte den Arbeitsdienst als 'Ehrendienst' und als Mittel zur 'Volkserziehung', während er in Wirklichkeit ein Instrument zur Disziplinierung und ideologischen Gleichschaltung der Bevölkerung war (siehe z.B. Benz, Wolfgang: Dimension des Völkermords. Die nationalsozialistische Judenverfolgung im Spiegel der Forschung. München: Oldenbourg, 1991).