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"entartet / Entartete Kunst"
NS-kontaminiertVon: Adolf Ziegler, Joseph Goebbels, Adolf Hitler
Datum: 1937
Nutzungshäufigkeit
„entartet / Entartete Kunst"
Das "Nazisprech"-Kriterium
Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).
Hintergrund:
Der Begriff "Entartung", ursprünglich aus der Biologie stammend, wurde im 19. Jahrhundert auf kulturelle und soziale Phänomene übertragen. Max Nordau popularisierte ihn in seinem Buch "Entartung" (1892/93) im Kontext der Kunstkritik. Im Nationalsozialismus wurde "Entartete Kunst" zum zentralen Kampfbegriff, um moderne Kunstrichtungen wie Expressionismus, Dadaismus, Kubismus und Surrealismus zu diffamieren und zu verbieten. Die Ausstellung "Entartete Kunst", initiiert von Joseph Goebbels und eröffnet von Adolf Ziegler, präsentierte beschlagnahmte Werke aus deutschen Museen, um sie der Lächerlichkeit preiszugeben und die Bevölkerung gegen die Weimarer Republik und vermeintliche "jüdisch-bolschewistische" Einflüsse aufzuhetzen. Das "Gesetz über die Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst" (1938) legalisierte die Beschlagnahmung und den Verkauf oder die Zerstörung von über 20.000 Kunstwerken. Nach 1945 wurde der Begriff weitgehend vermieden, da er untrennbar mit der NS-Propaganda verbunden ist. Die Auseinandersetzung mit der Thematik ist jedoch wichtig, um die Mechanismen von Ausgrenzung und Zensur zu verstehen.
Der Begriff "Entartung", ursprünglich aus der Biologie stammend, wurde im 19. Jahrhundert auf kulturelle und soziale Phänomene übertragen. Max Nordau popularisierte ihn in seinem Buch "Entartung" (1892/93) im Kontext der Kunstkritik. Im Nationalsozialismus wurde "Entartete Kunst" zum zentralen Kampfbegriff, um moderne Kunstrichtungen wie Expressionismus, Dadaismus, Kubismus und Surrealismus zu diffamieren und zu verbieten. Die Ausstellung "Entartete Kunst", initiiert von Joseph Goebbels und eröffnet von Adolf Ziegler, präsentierte beschlagnahmte Werke aus deutschen Museen, um sie der Lächerlichkeit preiszugeben und die Bevölkerung gegen die Weimarer Republik und vermeintliche "jüdisch-bolschewistische" Einflüsse aufzuhetzen. Das "Gesetz über die Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst" (1938) legalisierte die Beschlagnahmung und den Verkauf oder die Zerstörung von über 20.000 Kunstwerken. Nach 1945 wurde der Begriff weitgehend vermieden, da er untrennbar mit der NS-Propaganda verbunden ist. Die Auseinandersetzung mit der Thematik ist jedoch wichtig, um die Mechanismen von Ausgrenzung und Zensur zu verstehen.
Kontext:
Diffamierende Bezeichnung und Titel einer NS-Propagandaausstellung, die moderne Kunst als minderwertig und schädlich für das deutsche Volk darstellte.
Diffamierende Bezeichnung und Titel einer NS-Propagandaausstellung, die moderne Kunst als minderwertig und schädlich für das deutsche Volk darstellte.
Einordnung
Der Begriff wurde im Nationalsozialismus zentral instrumentalisiert und durch die gleichnamige Ausstellung und das Gesetz über die Einziehung "entarteter Kunst" (1938) fest im NS-Vokabular verankert. Die Verwendung des Begriffs diente der Diffamierung und Verfolgung von Künstlern und der Zerstörung ihrer Werke. (Vgl. Forschungsstelle "Entartete Kunst" der FU Berlin, Deutsches Historisches Museum, Historisches Lexikon Bayerns).
Strategische Funktion
1. KULTURELLE GLEICHSCHALTUNG: Der Begriff diente der systematischen Unterdrückung avantgardistischer Kunst und ihrer Ersetzung durch ideologiekonforme Ästhetik.
2. ANTISEMITISCHE PROPAGANDA: Moderne Kunst wurde als 'jüdisch-bolschewistisch' diffamiert, um Antisemitismus pseudokulturell zu legitimieren.
3. IDENTITÄTSKONSTRUKTION: Durch die Abgrenzung von 'entarteter' und 'arischer' Kunst wurde ein völkisches Kulturverständnis konstruiert, das Ausgrenzung als kulturelle Notwendigkeit darstellte.
Quellen & Belege
Encyclopædia Britannica — Degenerate Art Deutsches Historisches Museum Berlin Brücke-Museum – Die Brücke-Künstler und die nationalsozialistische Aktion „Entartete Kunst“ Deutsches Historisches Museum – Die Ausstellung "Entartete Kunst" Historisches Lexikon Bayerns – Entartete Kunst (Ausstellung) Bundeszentrale für politische Bildung – Vor 80 Jahren: Ausstellung "Entartete Kunst" Arolsen Archives – Verfolgte Künstler*innen im Nationalsozialismus Forschungsstelle "Entartete Kunst", FU Berlin – Datenbank "Entartete Kunst"