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"entartet / Entartete Kunst"

NS-Kernvokabular
Von: Adolf Ziegler, Joseph Goebbels, Adolf Hitler
Datum: 1937
Hintergrund:
Der Begriff "Entartung", ursprünglich aus der Biologie stammend, wurde im 19. Jahrhundert auf kulturelle und soziale Phänomene übertragen. Max Nordau popularisierte ihn in seinem Buch "Entartung" (1892/93) im Kontext der Kunstkritik. Im Nationalsozialismus wurde "Entartete Kunst" zum zentralen Kampfbegriff, um moderne Kunstrichtungen wie Expressionismus, Dadaismus, Kubismus und Surrealismus zu diffamieren und zu verbieten. Adolf Hitler selbst bezeichnete in "Mein Kampf" moderne Kunst als "Erzeugnisse einer überhaupt nicht mehr künstlerischen, sondern vielmehr geistigen Entartung bis zur Geistlosigkeit". Die Ausstellung "Entartete Kunst", initiiert von Joseph Goebbels und eröffnet von Adolf Ziegler, präsentierte beschlagnahmte Werke aus deutschen Museen, um sie der Lächerlichkeit preiszugeben und die Bevölkerung gegen die Weimarer Republik und vermeintliche "jüdisch-bolschewistische" Einflüsse aufzuhetzen. Das "Gesetz über die Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst" (1938) legalisierte die Beschlagnahmung und den Verkauf oder die Zerstörung von über 20.000 Kunstwerken. Nach 1945 wurde der Begriff weitgehend vermieden, da er untrennbar mit der NS-Propaganda verbunden ist. Die Auseinandersetzung mit der Thematik ist jedoch wichtig, um die Mechanismen von Ausgrenzung und Zensur zu verstehen.
Kontext:
Diffamierende Bezeichnung und Titel einer NS-Propagandaausstellung, die moderne Kunst als minderwertig und schädlich für das deutsche Volk darstellte.
Einordnung

Der Begriff wurde im Nationalsozialismus zentral instrumentalisiert und durch die gleichnamige Ausstellung und das Gesetz über die Einziehung "entarteter Kunst" (1938) fest im NS-Vokabular verankert. Die Verwendung des Begriffs diente der Diffamierung und Verfolgung von Künstlern und der Zerstörung ihrer Werke. (Vgl. Forschungsstelle "Entartete Kunst" der FU Berlin, Deutsches Historisches Museum, Historisches Lexikon Bayerns).

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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