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"Fremdarbeiter"

Rückläufig
Von: NS-Propaganda / NS-Behörden
Datum: 1939–1945

Nutzungshäufigkeit

Fremdarbeiter"
Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Hintergrund:
Der Begriff "Fremdarbeiter" existierte bereits vor dem Nationalsozialismus, wurde aber im NS-Regime ideologisch umgedeutet und zur Bezeichnung von ausländischen Zwangsarbeitern verwendet. Ab 1939 wurden Millionen Menschen aus besetzten Gebieten nach Deutschland verschleppt und zur Zwangsarbeit gezwungen. Die Bezeichnung "Fremdarbeiter" diente dazu, den Zwang zu verschleiern und die ausländischen Arbeitskräfte als weniger wertvoll darzustellen. Nach 1945 wurde der Begriff zunächst vermieden, fand aber später wieder Verwendung, um die NS-Zwangsarbeit von der Anwerbung von Gastarbeitern in der Nachkriegszeit abzugrenzen. Heutzutage wird der Begriff "Fremdarbeiter" aufgrund seiner NS-Vergangenheit kritisch betrachtet und meist vermieden. Stattdessen werden präzisere Begriffe wie "Zwangsarbeiter" oder "ausländische Arbeitskräfte" verwendet, um den historischen Kontext und die Zwangssituation der Betroffenen zu verdeutlichen.
Kontext:
Der Begriff "Fremdarbeiter" wurde im Nationalsozialismus verwendet, um ausländische Zivilbeschäftigte zu bezeichnen, die oft unter Zwang in Deutschland arbeiteten. Die Bezeichnung verschleierte den Zwangcharakter des Arbeitseinsatzes und suggerierte eine freiwillige Tätigkeit. Nach 1945 fand der Begriff Verbreitung, um die NS-Zwangsarbeit von der Beschäftigung der "Gastarbeiter" in der Bundesrepublik abzugrenzen. Auch heute noch wird der Begriff gelegentlich in politischen Debatten verwendet, um Arbeitsmigranten abzuwerten.
Einordnung

Die Verwendung des Begriffs "Fremdarbeiter" im Nationalsozialismus ist durch zahlreiche historische Dokumente belegt. Die Bezeichnung diente dazu, die Zwangsarbeit zu verschleiern und die ausländischen Arbeitskräfte als minderwertig darzustellen (Ulrich Herbert, "Fremdarbeiter: Politik und Praxis des 'Ausländer-Einsatzes' in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches", J.H.W. Dietz Nachf., 1999). Die Verwendung des Begriffs ist somit untrennbar mit der NS-Zwangsarbeit und der rassistischen Ideologie des Regimes verbunden.

Strategische Funktion

1. VERSCHLEIERUNG: Der Begriff "Fremdarbeiter" verschleiert den Zwangcharakter der Arbeit und suggeriert Freiwilligkeit, was die Ausbeutung der Betroffenen rechtfertigt.
2. ABWERTUNG: Die Bezeichnung "Fremdarbeiter" dient dazu, die ausländischen Arbeitskräfte als minderwertig darzustellen und ihre Entrechtung zu legitimieren.
3. DIFFAMIERUNG: Durch die Verwendung des Begriffs "Fremdarbeiter" werden ausländische Arbeitskräfte als "fremd" konstruiert und somit von der "Volksgemeinschaft" ausgeschlossen, was Ressentiments und Diskriminierung schürt.
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