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"Gegenrasse"

Rückläufig
Von: Nationalsozialistische Ideologen
Datum: 1930er-1940er Jahre

Nutzungshäufigkeit

Gegenrasse"
Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Hintergrund:
Der Begriff 'Gegenrasse' ist ein zentrales Element der nationalsozialistischen Rassenideologie. Er diente dazu, eine binäre Opposition zwischen der vermeintlich 'reinen' arischen Rasse und anderen, als 'minderwertig' konstruierten Gruppen zu schaffen. Diese Konstruktion diente der Delegitimierung und Entmenschlichung der betroffenen Gruppen, insbesondere der jüdischen Bevölkerung. Die NS-Ideologen bedienten sich dabei pseudowissenschaftlicher Theorien und rassistischer Stereotype, um ihre Behauptungen zu untermauern. Nach 1945 wurde der Begriff weitgehend geächtet, findet aber in rechtsextremen Kreisen weiterhin Verwendung, oft in verschleierter Form oder als Anspielung, um die ursprüngliche NS-Ideologie fortzusetzen und zu bekräftigen. Die Verwendung des Begriffs impliziert die Vorstellung einer rassischen Reinheit und einer Bedrohung dieser Reinheit durch 'fremde' Elemente, was eine gefährliche und diskriminierende Weltsicht widerspiegelt.
Kontext:
Die Bezeichnung 'Gegenrasse' wurde im nationalsozialistischen Deutschland verwendet, um jüdische Menschen und andere als 'minderwertig' betrachtete Bevölkerungsgruppen zu diffamieren und ihre angebliche Bedrohung der 'arischen Rasse' zu konstruieren. Sie diente als Rechtfertigung für Verfolgung, Entrechtung und schließlich den Holocaust.
Einordnung

Der Begriff 'Gegenrasse' ist untrennbar mit der NS-Ideologie verbunden. Er findet sich in zahlreichen Schriften und Reden von NS-Funktionären und Ideologen. Die Verwendung des Begriffs diente der Rechtfertigung des Holocaust und anderer Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Siehe z.B. Alfred Rosenberg, 'Der Mythus des 20. Jahrhunderts' (1930) und Julius Streicher, 'Der Stürmer'. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem NS-Rassismus belegt die zentrale Rolle des Begriffs 'Gegenrasse' in der NS-Propaganda (vgl. Longerich, Peter: 'Der ungeschriebene Befehl. Nationalsozialistische Vernichtungspolitik 1939-1945'. München: Siedler, 2001. und Benz, Wolfgang: 'Dimension des Völkermords. Die nationalsozialistische Vernichtungspolitik'. München: Oldenbourg, 1991.).

Strategische Funktion

1. DELEGITIMIERUNG: Die Bezeichnung als 'Gegenrasse' entzieht den Betroffenen jegliche Legitimität als gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft. Sie werden als Bedrohung dargestellt, die bekämpft werden muss. Dies untergräbt die Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft, die auf Gleichheit und Menschenwürde basiert.
2. ENTMECHLICHUNG: Durch die Reduzierung von Menschen auf eine 'Rasse' und die Konstruktion einer 'Gegenrasse' werden sie entmenschlicht und ihrer Individualität beraubt. Dies erleichtert die Akzeptanz von Gewalt und Diskriminierung gegen sie. Die Entmenschlichung ist eine Vorstufe zu Völkermord.
3. MOBILISIERUNG: Der Begriff dient der Mobilisierung der eigenen Anhängerschaft durch die Schürung von Angst und Hass gegen die 'Gegenrasse'. Er schafft ein Feindbild, das zur Rechtfertigung von Gewalt und zur Durchsetzung der eigenen politischen Ziele dient. Dies gefährdet den gesellschaftlichen Frieden und die Stabilität der Demokratie.

Quellen & Belege

Wikipedia-Artikel: Gegenrasse
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