Zurück zur Übersicht
Vorheriges: HerrenrasseNächstes: Journaille

"Hiwi"

Rückläufig
Von: Unbekannt
Datum: 2023

Nutzungshäufigkeit

Hiwi"
Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

Herrenrasse (Graph)Journaille (Graph)
Hintergrund:
Der Begriff "Hiwi" entstand während des Zweiten Weltkriegs als Abkürzung für "Hilfswilliger". Er bezeichnete ursprünglich sowjetische Kriegsgefangene und Zivilisten, die sich freiwillig oder unter Zwang zur Unterstützung der deutschen Wehrmacht meldeten. Im NS-Sprachgebrauch diente "Hiwi" zur Verschleierung der tatsächlichen Situation dieser Menschen, die oft unter Zwang und unter prekären Bedingungen arbeiteten. Heutzutage wird die NS-Vergangenheit des Begriffs zunehmend thematisiert, was zu einer kritischen Auseinandersetzung mit seiner Verwendung führt. Einige Institutionen bevorzugen alternative Bezeichnungen wie "studentische Hilfskraft" (SHK), um eine mögliche Verbindung zur NS-Zeit zu vermeiden.
Kontext:
Der Begriff "Hiwi" wird heute vor allem im akademischen Kontext als Abkürzung für "wissenschaftliche Hilfskraft" verwendet. Allerdings wird zunehmend darauf hingewiesen, dass diese Abkürzung aus der NS-Zeit stammt, wo sie für "Hilfswillige" stand. Diese Bezeichnung wurde für Kriegsgefangene verwendet, die im Zweiten Weltkrieg zur Zwangsarbeit auf deutscher Seite eingesetzt wurden. Die Verwendung des Begriffs ist umstritten, da er eine perfide Begrifflichkeit für Zwangsarbeiter darstellt, die keineswegs "willig" waren. Einige Universitäten bevorzugen daher die Verwendung der Abkürzung SHK für studentische Hilfskräfte, um eine mögliche Assoziation mit der NS-Zeit zu vermeiden. Die Sensibilität für die historische Belastung des Wortes "Hiwi" wächst, um eine unbedachte Verwendung und mögliche Verharmlosung der NS-Vergangenheit zu verhindern.
Einordnung

Der Begriff "Hiwi" ist im Kontext der NS-Sprache durch seine Verwendung zur Bezeichnung von Zwangsarbeitern und Kollaborateuren belastet. Matthias Heine thematisiert in seinem Buch "Verbrannte Wörter. Wo wir noch reden wie die Nazis – und wo nicht" die Problematik solcher NS-kontaminierten Begriffe. Viktor Klemperer analysiert in "LTI. Die unbewältigte Sprache" die subtile Wirkung von NS-Sprache und ihre Fähigkeit, ideologische Inhalte zu transportieren. Die Verwendung des Begriffs "Hiwi" in der NS-Zeit diente der Verschleierung und Verharmlosung der Zwangsarbeit, was ihn bis heute problematisch macht.

Strategische Funktion

1. VERHARMLOSUNG: Durch die Verwendung des Begriffs "Hiwi" im akademischen Kontext wird die NS-Vergangenheit des Wortes verharmlost und die tatsächliche Bedeutung als Bezeichnung für Zwangsarbeiter verschleiert.
2. NORMALISIERUNG: Die unreflektierte Verwendung des Begriffs trägt zur Normalisierung von NS-belasteten Begriffen bei und kann die Sensibilität für die historischen Konnotationen des Wortes reduzieren.
3. GESCHICHTSREVISIONISMUS: Die Verwendung des Begriffs kann unbeabsichtigt zu einer Relativierung der NS-Verbrechen beitragen, indem die Zwangsarbeit und Ausbeutung von Menschen im Zweiten Weltkrieg in den Hintergrund rückt.
VorherigesHerrenrasse
NächstesJournaille