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"Journaille"

Rückläufig
Von: Joseph Goebbels1 (NSDAP)
Datum: 1930er-Jahre

Nutzungshäufigkeit

Journaille"
Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

Hiwi (Graph)Kampfzeit (Graph)
Hintergrund:
Der Begriff „Journaille“ stammt ursprünglich aus dem Französischen und wurde im Deutschen zunächst abwertend für Boulevardjournalisten verwendet. Karl Kraus brachte den Ausdruck um 1902 in Umlauf. In den 1930er-Jahren wurde der Begriff von den Nationalsozialisten unter Joseph Goebbels1 aufgegriffen und ideologisch instrumentalisiert, um gegen missliebige Journalisten und Medien zu hetzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet der Begriff zunächst in den Hintergrund, erlebte aber in den letzten Jahrzehnten eine Wiederbelebung, insbesondere im Kontext rechtspopulistischer und verschwörungstheoretischer Strömungen. Heute wird „Journaille“ wieder verstärkt verwendet, um Journalisten pauschal zu diffamieren und das Vertrauen in die Medien zu untergraben. Die Verwendung des Begriffs ist somit ein Beispiel für die Kontinuität antidemokratischer Denkmuster und die Instrumentalisierung von Sprache zur Diffamierung Andersdenkender.
Kontext:
In den 1930er-Jahren instrumentalisierte Joseph Goebbels1, der spätere Reichspropagandaminister, den Begriff „Journaille“ im Rahmen der NS-Propaganda. Er verwendete ihn, um gegen die „jüdische Journaille“ und die vermeintliche „Lügenpresse“ zu hetzen. Diese Diffamierung war Teil einer umfassenden Kampagne zur Diskreditierung von Medien, die nicht der NS-Ideologie entsprachen. Die NS-Propaganda zielte darauf ab, ein Feindbild zu konstruieren und die Bevölkerung gegen kritische Stimmen aufzubringen. Die Verwendung des Begriffs „Journaille“ diente somit als rhetorisches Mittel zur Entmenschlichung und Ausgrenzung von Journalisten, die als Bedrohung für das NS-Regime wahrgenommen wurden. Diese Strategie trug maßgeblich zur Gleichschaltung der Medien und zur Unterdrückung der freien Meinungsäußerung bei.
Einordnung

Die NS-Instrumentalisierung des Begriffs „Journaille“ ist durch zahlreiche historische Quellen belegt, darunter Reden und Schriften von Joseph Goebbels1 und anderen NS-Funktionären. Die Verwendung des Begriffs im Kontext der NS-Propaganda wird in der Forschungsliteratur ausführlich analysiert, beispielsweise in Studien zur NS-Sprache und zur Geschichte der Medien im Nationalsozialismus. Die Diffamierung von Journalisten als „Journaille“ war Teil einer systematischen Kampagne zur Gleichschaltung der Medien und zur Unterdrückung der freien Meinungsäußerung. Die Kontinuität dieser Denkmuster bis in die Gegenwart wird in aktuellen Studien zur politischen Kommunikation und zur Verbreitung von Desinformation untersucht. (Vgl. z.B. Longerich, Peter: Goebbels. Biographie. München: Siedler, 2010.)

Strategische Funktion

1. DIFFAMIERUNG: Durch die Verwendung des Begriffs „Journaille“ werden Journalisten pauschal abgewertet und als unseriös oder gar korrupt dargestellt. Dies dient dazu, das Vertrauen der Bevölkerung in die Medien zu untergraben und die Glaubwürdigkeit kritischer Berichterstattung zu schwächen.
2. SPALTUNG: Der Begriff wird verwendet, um eine künstliche Trennung zwischen „den Medien“ und „dem Volk“ zu erzeugen. Indem Journalisten als Teil einer vermeintlichen Elite dargestellt werden, soll eine Solidarisierung mit den Betroffenen verhindert und die Gesellschaft polarisiert werden.
3. EINSCHÜCHTERUNG: Die Diffamierung von Journalisten als „Journaille“ kann dazu dienen, kritische Berichterstattung zu verhindern oder zu erschweren. Journalisten, die sich angegriffen fühlen, könnten sich aus Angst vor weiteren Angriffen selbst zensieren oder weniger kritisch berichten.
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