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"Jüdischer Bolschewismus"

NS-kontaminiert
Von: Nationalsozialisten, Rechtsextreme
Datum: 1918 (erste Verwendung), durchgehend bis heute

Nutzungshäufigkeit

Jüdischer Bolschewismus"
Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Hintergrund:
Der Begriff 'Jüdischer Bolschewismus' ist eine antisemitische Verschwörungstheorie, die im frühen 20. Jahrhundert entstand und von den Nationalsozialisten während des Dritten Reichs massiv propagiert wurde. Sie behauptet, dass Juden die treibende Kraft hinter dem Bolschewismus und der russischen Revolution gewesen seien und dass sie eine globale jüdische Verschwörung zur Zerstörung der traditionellen Gesellschaften anstreben würden. Diese Propaganda diente dazu, Juden zu entmenschlichen und die Gräueltaten des Holocaust zu rechtfertigen. Nach 1945 wurde der Begriff in der extremen Rechten weiterhin verwendet, um antisemitische Ressentiments zu schüren und Juden für politische und wirtschaftliche Probleme verantwortlich zu machen. Auch heute noch findet der Begriff in rechtsextremen Kreisen Verwendung, oft in subtiler Form, um antisemitische Botschaften zu verbreiten und Verschwörungstheorien zu befeuern.
Kontext:
Wird heutzutage von Rechtsextremen und Antisemiten verwendet, um jüdische Menschen pauschal als Drahtzieher hinter linken und revolutionären Bewegungen zu diffamieren und zu dämonisieren. Oftmals wird der Begriff in verschwörungstheoretischen Narrativen eingesetzt, um Juden für vermeintliche Missstände in der Gesellschaft verantwortlich zu machen.
Einordnung

Der Begriff wurde im Nationalsozialismus zu einem zentralen Element der Propaganda. Zahlreiche NS-Publikationen und Reden belegen die Verbreitung und Instrumentalisierung des Begriffs zur Hetze gegen Juden. (Siehe z.B. Goebbels' Reden, 'Der Stürmer'). Die Verwendung des Begriffs ist untrennbar mit der NS-Ideologie und dem Holocaust verbunden. Auch wenn Elemente der Verschwörungstheorie älter sind, wurde die spezifische Formulierung und Verbreitung im NS-Kontext zur Rechtfertigung von Genozid genutzt. (Referenz: Longerich, Peter. *The Unwritten Order: Hitler's Role in the Final Solution*. Tempus, 2003.)

Strategische Funktion

1. DELEGITIMIERUNG: Durch die Gleichsetzung von Juden mit dem Bolschewismus werden linke und progressive politische Kräfte diskreditiert und als 'jüdisch gesteuert' dargestellt. Dies dient dazu, die Glaubwürdigkeit dieser Kräfte zu untergraben und ihre politische Agenda zu delegitimieren.
2. ENTLASTUNG: Die Verschwörungstheorie dient dazu, die Verantwortung für politische und wirtschaftliche Probleme von den tatsächlichen Ursachen abzulenken und stattdessen Juden als Sündenböcke zu präsentieren. Dies entlastet die eigentlichen Verantwortlichen und lenkt von systemischen Problemen ab.
3. SPALTUNG: Der Begriff zielt darauf ab, die Gesellschaft zu spalten, indem er Feindbilder konstruiert und Ressentiments gegen Juden schürt. Dies untergräbt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und fördert Hass und Gewalt.
4. RECHTFERTIGUNG VON GEWALT: Die Dämonisierung von Juden als 'bolschewistische Gefahr' dient als Rechtfertigung für Gewalt und Diskriminierung gegen jüdische Menschen. Die NS-Propaganda nutzte dies, um den Holocaust zu legitimieren.
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