"Jedem das Seine"
NS-kontaminiertNutzungshäufigkeit
Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).
Die Redewendung "Jedem das Seine" hat ihren Ursprung in der Antike und bedeutet, dass jeder das bekommt, was ihm zusteht. Im Nationalsozialismus wurde der Spruch jedoch pervertiert und ab 1938 am Haupttor des Konzentrationslagers Buchenwald angebracht, was ihn nachhaltig diskreditierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet der Spruch zunächst in den Hintergrund, erlebte aber in den 1990er Jahren eine Wiederbelebung in der Werbung, was zu öffentlicher Kritik führte. Trotz der NS-Belastung wird der Spruch bis heute vereinzelt verwendet, wobei seine Verwendung stets kontroverse Reaktionen auslöst. Die Debatte dreht sich darum, ob die lange Tradition des Spruchs seine NS-Instrumentalisierung aufwiegt oder ob die Assoziation mit dem KZ Buchenwald eine weitere Verwendung unmöglich macht.
Die Redewendung "Jedem das Seine" erfuhr in den 1990er Jahren eine Wiederbelebung als Werbeslogan verschiedener Unternehmen wie Nokia, Rewe und Deutsche Telekom, was zu öffentlicher Kritik führte. Im Jahr 2023 forderte der Antisemitismusbeauftragte Felix Klein1 die Entfernung des Spruchs vom Verbandsabzeichen der Feldjäger der Bundeswehr, da er als Inschrift am Eingangstor des KZ Buchenwald diente. Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) lehnte dies zunächst ab, während Ali Al-Dailami (Die Linke) die Entfernung forderte.
Die NS-Belastung von "Jedem das Seine" ist durch seine Verwendung als Inschrift am Haupttor des Konzentrationslagers Buchenwald dokumentiert. Franz Ehrlich, ein Häftling und Bauhaus-Schüler, entwarf die Typografie der Inschrift. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) thematisiert die Problematik des lexikalischen NS-Erbes und die Weiterverwendung belasteter Begriffe wie "Jedem das Seine". Thorsten Eitz und Georg Stötzel behandeln den Begriff in ihrem "Wörterbuch der Vergangenheitsbewältigung". Victor Klemperer bemerkte bereits 1947 das Überleben sprachlichen Erbes des Dritten Reichs.