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"Kameradschaft"

NS-Vokabular
Von: Theo Hespers, Hans Ebeling
Datum: 1937

Nutzungshäufigkeit

Kameradschaft"
Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Hintergrund:
Der Begriff "Kameradschaft" leitet sich vom spanischen "camarada" (Kammer) ab und bezeichnete ursprünglich eine Wohngemeinschaft von Soldaten. Im 17. Jahrhundert wandelte sich die Bedeutung zu "Freundschaft, Gemeinschaft, Verbundenheit". Im Nationalsozialismus wurde "Kameradschaft" zu einem zentralen Wert, der die militärische und gesellschaftliche Ordnung prägte. Sie diente der Schaffung einer vermeintlich homogenen Volksgemeinschaft und der Mobilisierung für den Krieg. Nach 1945 wurde der Begriff zunächst kritisch betrachtet, da er stark mit dem NS-Regime assoziiert war. In den letzten Jahrzehnten erlebte "Kameradschaft" eine Wiederbelebung, insbesondere in rechtsextremen Kreisen, wo sie zur Stärkung des Zusammenhalts und zur Abgrenzung von Andersdenkenden dient. Auch in der Bundeswehr wird der Begriff verwendet, um den Zusammenhalt und das Vertrauen unter den Soldaten zu betonen, wobei jedoch versucht wird, eine Abgrenzung zur NS-Ideologie zu gewährleisten.
Kontext:
Die Zeitschrift "Kameradschaft – Schriften junger Deutscher" wurde 1937 von einer Widerstandsgruppe im niederländischen Exil gegründet, um sich gegen die Nationalsozialisten zu verbünden. Trotz des Widerstandscharakters der Zeitschrift war die Sprache stark militärisch geprägt, mit Begriffen wie "Führer", "Horden" und "Kameraden", was zu Verwirrung über die Abgrenzung zur Hitlerjugend führte. Die Einleitung der Zeitschrift klang wie eine soldatisch geprägte Kabinenansprache im Fußball, was die militärische Konnotation des Begriffs "Kameradschaft" in dieser Zeit verdeutlicht. Die Verwendung des Begriffs "Führer" war damals üblich für Jugendgruppenleiter, aber die Schwüre von Zusammenhalt und Gefolgschaft wirken heute pathetisch. Die Zeitschrift zeigt, wie der Begriff "Kameradschaft" in der NS-Zeit sowohl für positive als auch für negative Zwecke instrumentalisiert wurde. Die Zeitschrift wurde von Theo Hespers und Dr. Hans Ebeling gegründet.
NS-Nachweis

Die NS-Ideologie instrumentalisierte den Begriff "Kameradschaft" gezielt zur Schaffung einer vermeintlich homogenen und loyalen Gemeinschaft. Thomas Kühne analysiert in seinem Buch "Kameradschaft" (2006), wie dieses Leitbild die Kriegserfahrung und -erinnerung prägte. Die Verwendung des Begriffs in der Wehrmacht, wie von Guy Sajer (Pseudonym für Guy Mouminoux) in seinen Memoiren beschrieben, zeigt die Verbreitung und Bedeutung von "Kameradschaft" im militärischen Kontext des NS-Regimes. Die Zeitschrift "Kameradschaft – Schriften junger Deutscher" (1937) verdeutlicht die ideologische Aufladung des Begriffs, selbst im Kontext des Widerstands.

Strategische Funktion

1. INTEGRATION: "Kameradschaft" dient der Integration von Personen in eine Gruppe, indem ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und gegenseitigen Verpflichtung erzeugt wird. Dies kann zur Stärkung des Gruppenzusammenhalts und zur Mobilisierung für gemeinsame Ziele genutzt werden, auch wenn diese demokratiefeindlich sind.
2. AUSGRENZUNG: Durch die Betonung der "Kameradschaft" innerhalb einer Gruppe werden gleichzeitig andere Personen oder Gruppen ausgegrenzt, die nicht Teil dieser Gemeinschaft sind. Dies kann zur Schaffung von Feindbildern und zur Abwertung von Andersdenkenden führen.
3. IDEOLOGISCHE UNTERWANDERUNG: Der Begriff "Kameradschaft" kann dazu dienen, rechtsextreme Ideologien zu verschleiern und in die Gesellschaft zu tragen, indem er positiv konnotierte Werte wie Zusammenhalt und Loyalität mit extremistischen Zielen verbindet.
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