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"Krebsgeschwür (als Metapher)"

NS-Vokabular
Von: Markus Weber (Publizist), Bettina Hitzer (Historikerin)
Datum: 1930er Jahre

Nutzungshäufigkeit

Krebsgeschwür (als Metapher)"
Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Hintergrund:
Die Verwendung von "Krebsgeschwür" als Metapher zur Diffamierung unerwünschter Bevölkerungsgruppen hat eine lange Vorgeschichte, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Im Nationalsozialismus erfuhr diese Metapher eine ideologische Aufladung und wurde systematisch zur Ausgrenzung und Verfolgung von Juden, Homosexuellen und anderen Minderheiten eingesetzt. Nach 1945 wurde die Verwendung dieser Metapher weitgehend geächtet, erlebte jedoch in den letzten Jahren eine Wiederbelebung im Kontext rechtspopulistischer und rechtsextremer Ideologien. Die Metapher wird heute verwendet, um Migranten, politische Gegner oder andere als "fremd" wahrgenommene Gruppen zu diffamieren und auszugrenzen. Diese Wiederbelebung der NS-belasteten Sprache ist ein Zeichen für die Kontinuität rassistischer und antisemitischer Denkmuster in der Gesellschaft.
Kontext:
Im Nationalsozialismus wurde die Krebsmetapher gezielt eingesetzt, um politische Gegner und "rassisch Unerwünschte" zu diffamieren. Historikerin Bettina Hitzer betont, dass Krebs als Metapher für "politische Feinde" und "rassisch Unerwünschte" diente, die als "Krebsgeschwüre der Gesellschaft" diffamiert wurden. Diese Diffamierung diente dazu, die Ausgrenzung und Verfolgung dieser Gruppen zu rechtfertigen. Die Angst vor der Krankheit wurde instrumentalisiert, um die Bevölkerung gegen diese Gruppen aufzuhetzen. Die Verwendung der Metapher war Teil einer umfassenden ideologischen Überformung des Umgangs mit Krankheit im Nationalsozialismus. Der Publizist Markus Weber analysierte, wie die Nationalsozialisten die Krebsmetapher zur Diskriminierung von Juden und Homosexuellen einsetzten.
NS-Nachweis

Die Nationalsozialisten instrumentalisierten die Krebsmetapher systematisch zur Diffamierung und Ausgrenzung von Juden, Homosexuellen und anderen als "minderwertig" oder "schädlich" betrachteten Gruppen. Markus Weber (Universität Witten/Herdecke) zeigt in seiner Dissertation, wie die Nazis das Bedrohungspotenzial der Krebsmetapher auf Kapitalismus, Kommunismus und Demokratie übertrugen und Juden als "Krebsgeschwür" diffamierten. Bettina Hitzer (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg) erforschte, wie der Umgang mit Krebs im Nationalsozialismus ideologisch überformt wurde und wie Krebs als Metapher für "politische Feinde" und "rassisch Unerwünschte" diente. Diese Forschungsergebnisse belegen die zentrale Rolle der Krebsmetapher in der NS-Ideologie und -Propaganda.

Strategische Funktion

1. DIFFAMIERUNG: Durch die Verwendung der Krebsmetapher werden bestimmte Gruppen als schädlich und gefährlich für den "Volkskörper" dargestellt. Dies dient dazu, Hass und Ablehnung gegenüber diesen Gruppen zu schüren und ihre Ausgrenzung zu rechtfertigen.
2. LEGITIMIERUNG VON GEWALT: Die Metapher des "Krebsgeschwürs" impliziert, dass die Entfernung oder Vernichtung der betroffenen Gruppe notwendig ist, um den "Volkskörper" zu heilen. Dies kann als Rechtfertigung für Gewalt und Verfolgung dienen.
3. MOBILISIERUNG: Die Angst vor der "Krankheit" und die Vorstellung, dass der "Volkskörper" bedroht ist, können genutzt werden, um die Bevölkerung zu mobilisieren und für politische Ziele zu instrumentalisieren. Die Metapher schafft ein Gefühl der Dringlichkeit und Notwendigkeit zu handeln.
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