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"Kulturschaffende"

NS-Vokabular
Von: Ernst Barlach1 (Kunst)
Datum: 1934

Nutzungshäufigkeit

Kulturschaffende"
Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Hintergrund:
Der Begriff entstand 1933/34 mit der Reichskulturkammer, die alle kulturwirtschaftlich Tätigen unter 'Kulturschaffende' organisierte. 1934 unterschrieben Künstler*innen, darunter Ernst Barlach1, den 'Aufruf der Kulturschaffenden' für Hitlers Machtkonzentration. Nach 1945 wurde er in der DDR institutionalisiert (z. B. 'Bitterfelder Konferenzen' 1959/64), um Kultur in den Dienst des Sozialismus zu stellen. In der BRD blieb er in der Presse, später in der Genderdebatte (z. B. als Alternative zu 'Künstler'). Heute wird er in Kulturpolitik und Medien ohne NS-Kontextualisierung genutzt.
Kontext:
Der Begriff 'Kulturschaffende' wird heute in der Kulturpolitik und Medien weitergenutzt, etwa in der Technologiestiftung Berlin (2020) oder bei der Bundeszentrale für politische Bildung. 2020 verwendete die Stiftung ihn in der Beschreibung von Förderprogrammen: '… vernetzen Berlins Kulturschaffende spartenübergreifend.' Der Begriff blieb trotz seiner NS-Verortung im Sprachgebrauch, insbesondere in genderneutrale Formulierungen, um Künstler*innen kollektiv zu bezeichnen.
NS-Nachweis

Der Begriff wird in Süskinds 'Wörterbuch des Unmenschen' (1946) als NS-Neubildung kritisiert. Historische Dokumente wie der 'Aufruf der Kulturschaffenden' (1934) belegen seine NS-Verortung. In der NS-Zeit diente der Begriff zur Gleichschaltung der Kultur. Die Reichskulturkammer (1933) erzwang die Mitgliedschaft unter 'arischen' Künstlern, was den Begriff politisch instrumentierte.

Strategische Funktion

1. Funktion: Der Begriff ermöglicht geschlechtsneutrale Bezeichnungen, verdeckt aber die NS-Verortung. 2. Funktion: Er vermittelt eine kollektivistische Kulturvorstellung, die historisch mit der staatlichen Organisation von Kunstschaffenden verbunden ist. 3. Funktion: Die Nutzung ohne Kontextualisierung führt dazu, dass die historische Belastung des Begriffs im modernen Sprachgebrauch oft unberücksichtigt bleibt.
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