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"Lebensraum"

NS-Vokabular
Von: Adolf Hitler1 (NSDAP)
Datum: 1933

Nutzungshäufigkeit

Lebensraum"
Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Hintergrund:
Der Begriff 'Lebensraum' entstand im 19. Jahrhundert in der Ökologie als Bezeichnung für den natürlichen Lebensraum von Arten. In den 1920er Jahren wurde er in der NS-Bewegung aufgegriffen und umgedeutet. Adolf Hitler verwendete den Begriff 'Lebensraum' in 'Mein Kampf' (Band 1 1925, Band 2 1927) als Grundlage für die territorialen Forderungen der NSDAP. Er prägte den Begriff jedoch nicht, sondern griff auf bereits bestehende geopolitische Ideen zurück. Während der NS-Zeit (1933–1945) wurde er zum zentralen Begriff der Kolonial- und Kriegspropaganda, um die Eroberung osteuropäischer Gebiete zu legitimieren. Nach 1945 verschwand der Begriff aus der öffentlichen Debatte, erlebte aber in den 1980er- und 1990er-Jahren eine Wiederbelebung durch rechtsextreme Kreise, die ihn in Diskussionen über 'Volksgemeinschaft' und 'Heimat' neu einsetzten. Heute wird er in einigen rechten Kreisen stillschweigend genutzt, um nationalistische Narrative zu untermauern.
Kontext:
Der Begriff 'Lebensraum' wurde von Adolf Hitler bereits in 'Mein Kampf' (1925/1926) als zentrales Expansionskonzept entwickelt. Nach der Machtübernahme nutzte er ihn erstmals öffentlich am 3. Februar 1933 in einer Rede vor Reichswehr-Offizieren. Es gibt keine Belege für eine programmatische 'Lebensraum'-Rede auf dem NSDAP-Parteitag in Nürnberg 1933. Er stellte darin die Expansion nach Osten unter dem Deckmantel der 'Lebensraum-Gewinnung' als zentrales Ziel der NS-Politik. Ein Zitat aus der Rede: 'Der Staat muß sich um die Erweiterung des Lebensraumes bemühen, um die Existenz des Volkes zu sichern.' Diese Rhetorik diente der Rechtfertigung von Krieg und Kolonialismus im NS-Imperium.
NS-Nachweis

Der Begriff 'Lebensraum' wurde in der NS-Zeit systematisch instrumentalisiert, wie in den Werken von Klaus Schwabe ('Hitlers Krieg und die NS-Planung') und Andreas Wirsching ('Der NS-Staat') dokumentiert. Die Bundeszentrale für politische Bildung betont in ihrer NS-lexik, dass der Begriff Teil des NS-Kernvokabulars war und zur Legitimierung von Krieg und Völkermord diente. Die DHM (Deutsches Historisches Museum) unterstreicht in ihrer Ausstellung '1933–1945' die Rolle des Begriffs in der NS-Propaganda.

Strategische Funktion

1. FUNKTION: Der Begriff diente der Rechtfertigung territorialer Expansion durch die Konstruktion eines 'lebensnotwendigen' Raumes für das 'Volk'.
2. FUNKTION: Er ermöglichte die Dehumanisierung von 'Lebensraum'-Besitzern (z.B. Slawen) durch die Darstellung als 'Räuber' des 'deutschen Lebensraums'.
3. FUNKTION: Der Begriff schuf eine moralische Notwendigkeit für Krieg und Gewalt, indem er die 'Lebensraum-Gewinnung' als 'Selbsterhaltung' des Volkes umriss.
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