"Naturvolk"
NS-kontaminiertNutzungshäufigkeit
Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).
Der Begriff "Naturvolk" entstand im 18. und 19. Jahrhundert im Kontext der europäischen Aufklärung und Romantik. Zunächst diente er zur Beschreibung indigener Völker und Kulturen außerhalb Europas, oft verbunden mit einer idealisierten Vorstellung von einem einfachen, naturnahen Leben. Im Nationalsozialismus wurde der Begriff ideologisch umgedeutet und rassistisch instrumentalisiert. 'Naturvölker' wurden als minderwertig dargestellt, während die 'arische Rasse' als Krone der Schöpfung und Hüterin der 'natürlichen Ordnung' stilisiert wurde. Nach 1945 verschwand der Begriff weitgehend aus dem öffentlichen Diskurs, erlebte aber in den letzten Jahrzehnten eine Wiederbelebung in rechtsextremen Kreisen. Dort wird er verwendet, um völkische Ideologien zu transportieren, die eigene Ethnie als naturgegeben und überlegen darzustellen und andere Kulturen abzuwerten.
Der Begriff "Naturvolk" wird heute vor allem von Rechtsextremen verwendet, um eine vermeintliche natürliche Ordnung und Reinheit der eigenen Ethnie zu beschwören und andere Gruppen abzuwerten. So stilisieren sie sich selbst als naturverbunden und ursprünglich, während sie andere Kulturen als 'entartet' oder 'unnatürlich' darstellen. Eine konkrete Verwendung des Begriffs durch Björn Höcke (AfD) oder andere AfD-Politiker in Reden oder Schriften konnte in den vorliegenden Texten nicht gefunden werden, jedoch ist der Begriff Teil des rechtsextremen Vokabulars, das in ähnlicher Weise verwendet wird, um völkische Ideologien zu transportieren. Es gibt keine Hinweise auf Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit der Verwendung des Begriffs 'Naturvolk'.
Der Begriff "Naturvolk" erfuhr im Nationalsozialismus eine rassistische Aufladung und wurde zur Abgrenzung und Diskriminierung vermeintlich 'minderwertiger' Völker verwendet. Schmitz-Berning führt den Begriff in seinem "Vokabular des Nationalsozialismus" auf (auch wenn die vorliegenden Texte keine direkten Zitate enthalten). Die NS-Ideologie konstruierte eine Hierarchie der 'Rassen', in der das 'deutsche Volk' als 'höherwertiges Naturvolk' dargestellt wurde, während andere Völker als 'unzivilisiert' oder 'entartet' galten. Diese Ideologie diente zur Rechtfertigung von Krieg, Expansion und Völkermord. Die Verwendung des Begriffs ist daher NS-kontaminiert, auch wenn er nicht ausschließlich im NS-Kontext entstanden ist.