"Remigration"
NS-kontaminiertNutzungshäufigkeit
Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).
Der Begriff "Remigration" stammt ursprünglich aus der Migrations- und Exilforschung und beschreibt die freiwillige Rückkehr von Emigranten in ihre Herkunftsländer. Er wurde jedoch von der Neuen Rechten ab etwa 2015 in Österreich und 2016 in Deutschland ideologisch vereinnahmt und als Euphemismus für erzwungene Vertreibung und Deportation umgedeutet. Diese Umdeutung knüpft an völkisch-rassistische Traditionen des 19. Jahrhunderts an und findet ihre Fortsetzung in rassistischen Segregationspolitiken wie dem transatlantischen Versklavungssystem, dem Siedlungskolonialismus und Apartheidstaaten. Nach 1945 wurde der Begriff in neo-völkischen Kreisen als Lösung für eine vermeintliche 'umgekehrte Kolonisierung' propagiert, wobei Massendeportationen von nicht-weißen Menschen und deren Unterstützern gefordert werden. Die Wahl zum Unwort des Jahres 2023 unterstreicht die kritische Auseinandersetzung mit dieser Begriffsverwendung.
Der Begriff "Remigration" erlangte im Jahr 2023 breite öffentliche Aufmerksamkeit, als er zum Unwort des Jahres gekürt wurde. Dies geschah vor dem Hintergrund der Enthüllung eines Remigrationsplans rechter Kreise durch Correctiv im Jahr 2024, der Massendeportationen vorsieht. Der Begriff wird von der Identitären Bewegung und der Neuen Rechten als Euphemismus für die Zwangsausweisung von Menschen mit Migrationsgeschichte verwendet. Die Verwendung des Wortes wurde kritisiert, weil es als rechter Kampfbegriff, beschönigende Tarnvokabel und verschleiernder Ausdruck für menschenunwürdige Abschiebe- und Deportationspraktiken gebraucht wird. Hunderttausende demonstrierten gegen diese Pläne.
Die Verwendung des Begriffs "Remigration" durch die Neue Rechte ist NS-kontaminiert, da sie an die völkische Ideologie und die damit verbundenen Vertreibungs- und Vernichtungspraktiken des Nationalsozialismus anknüpft (Correctiv 2024). Samuel Salzborn (2017) analysiert die neo-völkische Propaganda, die ein ethnisch-rassistisch definiertes Volk konstruiert und dessen 'Reinhaltung' durch 'Entmischung' fordert. Die Kaschierung von Deportationen als 'Remigration' erinnert an die nationalsozialistische Tarnsprache und dient dazu, die tatsächlichen menschenverachtenden Absichten zu verschleiern. Die Ablehnung des Begriffs durch die Bevölkerung und seine Wahl zum Unwort des Jahres zeigen die Sensibilität für die NS-Kontamination.