"Passdeutsche"
NS-VokabularNutzungshäufigkeit
Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).
Der Begriff "Passdeutsche" ist eine abwertende Bezeichnung für Menschen mit Migrationshintergrund, die die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Er unterstellt ihnen, dass sie trotz deutschen Passes keine "richtigen" Deutschen seien und sich nicht zugehörig fühlen. Ursprünglich wurde der Begriff in den 1980er und 1990er Jahren für Spätaussiedler aus Russland und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion verwendet, die zwar als Deutsche galten, aber dennoch oft als "anders" wahrgenommen wurden. In der Nachkriegszeit geriet der Begriff weitgehend in Vergessenheit, erlebte aber in den letzten Jahren eine Wiederbelebung, insbesondere im rechtspopulistischen und rechtsextremen Milieu. Heutzutage wird "Passdeutsche" verwendet, um eine vermeintliche Unterscheidung zwischen "Deutschen mit deutschem Pass" und "echten Deutschen" zu konstruieren, wobei letztere oft als ethnisch oder kulturell "reiner" definiert werden.
Der Begriff "Passdeutsche" wird abwertend verwendet, um Menschen mit Migrationshintergrund trotz deutscher Staatsbürgerschaft die Zugehörigkeit zur deutschen Nation abzusprechen. Dies zeigte sich in der öffentlichen Debatte um die Fußballspieler Mesut Özil und İlkay Gündoğan im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft 2018, nachdem diese sich mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan getroffen hatten. Für einige Beobachter reichte die deutsche Staatsbürgerschaft der beiden Spieler nicht aus, um sie als vollwertige Deutsche anzuerkennen.
Der Begriff "Passdeutsche" ist zwar nicht originär nationalsozialistisch, wird aber in einer Weise verwendet, die an die NS-Ideologie der "Volksgemeinschaft" erinnert. Diese Ideologie basierte auf einem biologistischen und rassistischen Verständnis von "Deutschsein", das Menschen mit Migrationshintergrund ausschloss. Die Verwendung des Begriffs "Passdeutsche" dient dazu, eine vermeintliche "natürliche" oder "authentische" deutsche Identität zu konstruieren, die Menschen mit Migrationshintergrund abgesprochen wird. Dies steht im Einklang mit rechtsextremen Ideologien, die auf Ausgrenzung und Diskriminierung abzielen. Die Konstruktion einer ethnisch definierten "Volksgemeinschaft", wie sie im Nationalsozialismus propagiert wurde, widerspricht den Prinzipien der Gleichheit und Inklusion, die dem Grundgesetz zugrunde liegen (Art. 3 Abs. 3 GG).