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"Passdeutsche"

Rechtsextremer Kampfbegriff
Von: NPD und andere Rechtsextreme
Datum: 2014
Hintergrund:
Der Begriff 'Passdeutsche' ist ein Kampfbegriff aus dem rechtsextremen Milieu, der zur Abwertung von Menschen mit Migrationshintergrund dient, die die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Er impliziert, dass diese Menschen trotz ihres Passes nicht 'richtige' Deutsche seien und somit nicht vollwertig zur deutschen Gesellschaft gehören. Die NPD nutzte den Begriff, um eine Unterscheidung zwischen 'Deutschen' und 'Passdeutschen' zu konstruieren und Letztere als 'undeutsch' abzuwerten. Der Begriff zielt darauf ab, die deutsche Identität ethnisch zu definieren und Menschen mit Migrationsgeschichte auszugrenzen. Er reiht sich ein in eine Reihe ähnlicher Begriffe wie 'Biodeutsche' oder 'Autochthone Deutsche', die alle darauf abzielen, eine vermeintliche 'wahre' deutsche Identität zu konstruieren und Menschen mit Migrationshintergrund zu diskriminieren.
Kontext:
Der Begriff wird verwendet, um zwischen vermeintlich 'richtigen' Deutschen und solchen mit Migrationshintergrund zu unterscheiden, die lediglich einen deutschen Pass besitzen. Er dient der Abwertung und Ausgrenzung.
Einordnung

Der Begriff selbst ist nicht im Nationalsozialismus entstanden, jedoch ist die dahinterstehende Ideologie der ethnischen Reinheit und der Abwertung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder ihres vermeintlichen 'Undeutschseins' klar NS-kontaminiert. Die NS-Ideologie basierte auf der Vorstellung einer 'Volksgemeinschaft', die durch rassische Kriterien definiert wurde und in der Menschen mit 'fremdem Blut' keinen Platz hatten. Die Verwendung des Begriffs 'Passdeutsche' knüpft an diese Denkmuster an und setzt die Ausgrenzung von Menschen mit Migrationshintergrund fort.

Strategische Funktion

1. DELEGITIMIERUNG: Der Begriff delegitimiert die Staatsbürgerschaft von Menschen mit Migrationshintergrund und stellt ihre Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft in Frage. Dies untergräbt das Prinzip der Gleichheit vor dem Gesetz und die Idee einer inklusiven Gesellschaft.
2. SPALTUNG: Der Begriff spaltet die Gesellschaft in 'richtige' und 'falsche' Deutsche und schürt Misstrauen und Feindseligkeit zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Dies gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund.
3. ETHNISCHE DEFINITION VON IDENTITÄT: Der Begriff zementiert eine ethnische Definition von deutscher Identität und schließt Menschen mit Migrationshintergrund aus, unabhängig davon, wie lange sie in Deutschland leben oder wie sehr sie sich mit dem Land identifizieren. Dies widerspricht dem modernen Verständnis von Staatsbürgerschaft als einer rechtlichen und politischen Zugehörigkeit, die unabhängig von ethnischer Herkunft ist.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Quiz: Wahre Bedeutung

Was bedeutet der Begriff "Passdeutsche" tatsächlich? Wähle die korrekte Aussage aus.

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