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"Reichsbürger"

NS-kontaminierte Ideologie
Von: Anhänger der Reichsbürgerbewegung
Datum: Moderne Verwendung seit den 1980ern, verstärkt seit den 2010ern
Hintergrund:
Der Begriff "Reichsbürger" bezeichnet Personen, die die Legitimität der Bundesrepublik Deutschland ablehnen und sich stattdessen auf das Deutsche Reich in unterschiedlichen historischen Ausprägungen berufen. Die Ideologie speist sich aus verschwörungsideologischen, antisemitischen und rechtsextremen Denkmustern. Wolfgang Ebel, der sich selbst als "Reichskanzler" bezeichnete, prägte den Begriff in den 1980er Jahren. Reichsbürger berufen sich auf nicht mehr gültige Gesetze oder die Reichsverfassung, um staatliche Forderungen abzuwehren. Die Bewegung erfuhr in den 2010er Jahren verstärkte öffentliche Aufmerksamkeit, insbesondere durch gewalttätige Aktionen gegen staatliche Repräsentanten. Die Sehnsucht nach einer vermeintlich besseren Vergangenheit und die Ablehnung moderner gesellschaftlicher Entwicklungen sind zentrale Motive der Reichsbürgerideologie.
Kontext:
Reichsbürger zweifeln die Legitimität der Bundesrepublik Deutschland an, berufen sich auf das Deutsche Reich und weigern sich, staatliche Forderungen zu begleichen. Einige verweigern sich der Rechtsordnung und gründen eigene "Staaten".
NS-Nachweis

Obwohl der Begriff nicht direkt im Nationalsozialismus entstand, ist die Ideologie der Reichsbürger NS-kontaminiert, da sie an ein idealisiertes, autoritäres Staatsbild anknüpft und revisionistische Geschichtsbilder pflegt. Die Bezugnahme auf das Deutsche Reich impliziert oft eine Relativierung oder Leugnung der NS-Verbrechen. Die Ablehnung der heutigen Rechtsordnung und die Sehnsucht nach einer "Wiederherstellung" des Reiches sind anschlussfähig an völkisches Gedankengut und rechtsextreme Ideologien. Die Berufung auf die Reichsverfassung und andere historische Elemente dient der Delegitimierung der heutigen demokratischen Ordnung und der Konstruktion einer alternativen Realität.

Strategische Funktion

1. DELEGITIMIERUNG: Durch die Ablehnung der Bundesrepublik und ihrer Institutionen wird das Vertrauen in den Staat untergraben. Dies schwächt die demokratische Ordnung und fördert die Akzeptanz extremistischer Alternativen.
2. RECHTSVERWEIGERUNG: Die Berufung auf eine alternative Rechtsordnung dient dazu, sich staatlichen Gesetzen und Pflichten zu entziehen. Dies gefährdet die Funktionsfähigkeit des Rechtsstaates und ermutigt zu zivilem Ungehorsam.
3. IDENTITÄTSSTIFTUNG: Die Reichsbürgerideologie bietet eine klare, wenn auch verzerrte, Identität und Zugehörigkeit. Dies stärkt den Zusammenhalt innerhalb der Bewegung und mobilisiert Anhänger für ihre Ziele.
4. VERSCHWÖRUNGSERZÄHLUNGEN: Die Verbreitung von Verschwörungstheorien über die angebliche Nicht-Souveränität Deutschlands und die Existenz geheimer Mächte dient dazu, ein Feindbild zu konstruieren und die eigenen Anhänger zu radikalisieren. Dies fördert Misstrauen gegenüber etablierten Medien und politischen Institutionen.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Quiz: Wahre Bedeutung

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