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"Schädling"

NS-Vokabular
Von: Joseph Goebbels (NSDAP)
Datum: 1933

Nutzungshäufigkeit

Schädling"
Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Hintergrund:
Der Begriff "Schädling" hat eine lange Geschichte, die bis in die Jungsteinzeit zurückreicht, als Menschen begannen, sich gegen Tiere zu wehren, die ihre Vorräte bedrohten. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff immer weiter gefasst und umfasste schließlich auch Pflanzen und Mikroorganismen. Im Nationalsozialismus erfuhr der Begriff eine radikale Umdeutung und wurde zu einem zentralen Element der rassistischen Ideologie. Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle und andere Minderheiten wurden als "Volksschädlinge" diffamiert und mit Ungeziefer verglichen, das es auszurotten gelte. Nach 1945 wurde der Begriff zunächst gemieden, erlebte aber in den letzten Jahrzehnten eine Wiederbelebung in rechtsextremen Kreisen. Heute wird der Begriff wieder vermehrt verwendet, um Migranten, politische Gegner und andere unerwünschte Gruppen zu diffamieren und zu entmenschlichen. Die Geschichte des Begriffs "Schädling" zeigt, wie Sprache missbraucht werden kann, um Hass und Gewalt zu schüren.
Kontext:
Der Begriff "Schädling" wurde im Nationalsozialismus gezielt eingesetzt, um bestimmte Bevölkerungsgruppen zu diffamieren und zu entmenschlichen. Propagandaminister Joseph Goebbels nutzte den Begriff wiederholt in seinen Reden und Schriften, um Juden, politische Gegner und andere unerwünschte Elemente als eine Bedrohung für die "Volksgesundheit" darzustellen. Diese Rhetorik schuf eine Atmosphäre der Angst und des Hasses, die zur Ausgrenzung, Verfolgung und schließlich zur Vernichtung dieser Gruppen beitrug. Die Verwendung des Begriffs "Schädling" war somit ein zentrales Element der NS-Propaganda und trug maßgeblich zur Vorbereitung und Rechtfertigung des Holocaust bei. Die Kartoffelkäfer-Fibel vom Kartoffelkäfer-Abwehrdienst des Reichsnährstandes wurde an Schulkinder verteilt, um die Bevölkerung frühzeitig zu indoktrinieren.
NS-Nachweis

Die NS-Ideologie bediente sich biologistischer Denkmuster, um Menschengruppen als minderwertig und schädlich für den "Volkskörper" darzustellen. Der Begriff "Schädling" wurde dabei gezielt eingesetzt, um eine Analogie zwischen Menschen und Ungeziefer herzustellen und so die Hemmschwelle für Gewalt und Vernichtung zu senken. Diese Instrumentalisierung des Begriffs ist in zahlreichen NS-Dokumenten und Reden belegt (Aly, Götz: "Warum die Deutschen? Warum die Juden?"). Die Forschung von Sarah Jansen (Sarah Jansen: "Schädlinge. Geschichte eines wissenschaftlichen und politischen Konstrukts 1840-1920") zeigt, wie die Schädlingsbekämpfung bereits vor dem Nationalsozialismus von Kriegsmetaphern geprägt war und wie diese Denkweise die Grundlage für die spätere "Ausmerzung" von "Volksschädlingen" schuf. Die Verwendung von Zyklon B zur Schädlingsbekämpfung und später in Konzentrationslagern verdeutlicht die Verbindung zwischen wissenschaftlichen Praktiken und ideologisch motiviertem Massenmord.

Strategische Funktion

1. DIFFAMIERUNG: Durch die Verwendung des Begriffs "Schädling" werden bestimmte Gruppen entmenschlicht und als minderwertig dargestellt. Dies erleichtert es, Hass und Ablehnung gegen diese Gruppen zu schüren und sie zu diskriminieren.
2. AUSGRENZUNG: Der Begriff dient dazu, eine klare Trennlinie zwischen "uns" und "denen" zu ziehen. Die als "Schädlinge" bezeichneten Gruppen werden aus der Gesellschaft ausgeschlossen und als Bedrohung für die "Volksgemeinschaft" dargestellt.
3. RECHTFERTIGUNG VON GEWALT: Indem bestimmte Gruppen als "Schädlinge" bezeichnet werden, wird Gewalt gegen sie legitimiert. Die Beseitigung von "Schädlingen" wird als notwendige Maßnahme zum Schutz der Gesellschaft dargestellt.
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