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"Totaler Krieg"

NS-Kernvokabular
Von: Joseph Goebbels, Adolf Hitler, Erich Ludendorff
Datum: 18.02.1943
Hintergrund:
Der Begriff 'Totaler Krieg' beschreibt eine Kriegsführung, bei der alle gesellschaftlichen und politischen Anstrengungen auf die Erreichung des Sieges ausgerichtet sind. Ursprünglich wurde der Begriff im Ersten Weltkrieg verwendet, um die umfassende Mobilisierung von Ressourcen und Bevölkerung zu beschreiben. Erich Ludendorff prägte den Begriff in seiner Schrift 'Der totale Krieg' (1935). Im Nationalsozialismus wurde der Begriff von Joseph Goebbels instrumentalisiert, um die deutsche Bevölkerung nach der Niederlage von Stalingrad zu einem fanatischen Durchhalten zu bewegen. Dies umfasste die Mobilisierung aller Männer zwischen 16 und 65 Jahren sowie Frauen zwischen 17 und 45 Jahren für die Reichsverteidigung, die Schließung nicht kriegswichtiger Betriebe und die Ausweitung der Arbeitszeit. Der 'Totale Krieg' diente als Rechtfertigung für die rücksichtslose Ausbeutung besetzter Gebiete und die Eskalation der Gewalt bis hin zum Vernichtungskrieg.
Kontext:
Joseph Goebbels proklamierte im Berliner Sportpalast den 'Totalen Krieg' als Reaktion auf die Niederlage in Stalingrad und forderte die Mobilisierung aller Kräfte für den 'Endsieg'.
Einordnung

Der Begriff wurde von Erich Ludendorff geprägt und von Joseph Goebbels im Nationalsozialismus propagandistisch instrumentalisiert, um die deutsche Bevölkerung zu einem fanatischen Durchhalten zu bewegen. Die Rede Goebbels' im Berliner Sportpalast am 18. Februar 1943 gilt als zentrales Dokument dieser Instrumentalisierung (Veronika Diem, NSDOKU). Die Anordnung Hitlers zur 'totalen Mobilisierung' vom 13. Januar 1943 und die Verordnung Sauckels zur Meldung von Männern und Frauen für Aufgaben der Reichsverteidigung vom 27. Januar 1943 unterstreichen die NS-Verbindung.

Strategische Funktion

1. MOBILISIERUNG: Der Begriff diente dazu, die Bevölkerung zur maximalen Anstrengung und Opferbereitschaft für den Krieg zu bewegen. Dies gefährdet die Demokratie, indem individuelle Rechte und Freiheiten dem vermeintlichen 'nationalen Interesse' untergeordnet werden.
2. GLEICHSCHALTUNG: Durch die Forderung nach einem 'Totalen Krieg' wurde eine umfassende Kontrolle aller gesellschaftlichen Bereiche durch den Staat angestrebt. Dies unterdrückt Vielfalt und Meinungsfreiheit, was für eine funktionierende Demokratie unerlässlich ist.
3. ESKALATION: Der Begriff implizierte die Bereitschaft zur rücksichtslosen Anwendung aller Mittel, einschließlich der Vernichtung des Gegners. Dies untergräbt die Prinzipien der Menschlichkeit und des Völkerrechts, die für eine friedliche internationale Ordnung notwendig sind.
4. LEGITIMATION VON GEWALT: Der Begriff diente dazu, die Bevölkerung auf einen Kampf 'bis zum bitteren Ende' einzuschwören und die damit einhergehende Gewalt zu rechtfertigen. Dies untergräbt die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit und des Gewaltmonopols des Staates.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Quiz: Wahre Bedeutung

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