Zürück zur Übersicht
Vorheriges: UmvolkungNächstes: Meine Ehre heißt Treue

"Überfremdung"

NS-Kernvokabular
Von: Joseph Goebbels, Rechtsextreme Parteien
Datum: 1933
Hintergrund:
Der Begriff "Überfremdung" hat eine lange Geschichte, wurde aber im Nationalsozialismus zentral instrumentalisiert. Bereits im 18. Jahrhundert wurde er verwendet, um ein vermeintliches Übergewicht fremder Einflüsse auf Gesellschaft, Kultur oder Sprache zu bezeichnen. Völkische und deutschnationale Kreise nutzten ihn in der Kaiserzeit, um gegen Juden zu hetzen. Joseph Goebbels sprach 1933 von einer "Überfremdung des deutschen Geisteslebens durch das Judentum". Die NS-Ideologie warnte auch vor einer "blutsmäßigen Überfremdung" im Kontext der "Rassenhygiene". Nach 1945 wurde der Begriff zunächst gemieden, erlebte aber in den letzten Jahrzehnten eine Renaissance in rechtspopulistischen und rechtsextremen Kreisen. Er dient dazu, Ängste vor dem Verlust der nationalen Identität zu schüren und Ressentiments gegen Minderheiten zu mobilisieren. Der Begriff impliziert einen Ethnopluralismus, der unterschiedlichen "Menschenvölkern" unveränderliche Eigenschaften zuschreibt, die miteinander konkurrieren.
Kontext:
Der Begriff wird heute von rechtsextremen Parteien und Gruppierungen verwendet, um Stimmung gegen Einwanderung und Vielfalt zu machen. Er suggeriert, dass die deutsche Kultur und Identität durch "Fremde" bedroht sei.
NS-Nachweis

Der Begriff wurde von Joseph Goebbels 1933 im Zusammenhang mit der Diffamierung des Judentums verwendet. Die Nationalsozialisten nutzten ihn, um eine angebliche Bedrohung der "deutschen Rasse" durch "fremdes Blut" zu konstruieren. (Quelle: Campact-Blog, Bezugnahme auf Goebbels' Verwendung). Schmitz-Berning's "Vokabular des Nationalsozialismus" ist ein Standardwerk, das die NS-Verwendung des Begriffs dokumentiert.

Strategische Funktion

1. DELEGITIMIERUNG: Der Begriff delegitimiert Einwanderer und Minderheiten, indem er sie als Bedrohung für die deutsche Kultur und Identität darstellt. Dies schürt Feindseligkeit und Ausgrenzung.
2. ANGSTPROPAGANDA: Er erzeugt Angst vor dem Verlust der nationalen Identität und der kulturellen Homogenität. Diese Angst wird genutzt, um politische Unterstützung für restriktive Einwanderungspolitiken zu mobilisieren.
3. IDENTITÄTSPOLITIK: Der Begriff dient der Konstruktion einer homogenen "deutschen" Identität, die durch "Fremde" bedroht wird. Dies spaltet die Gesellschaft in "Wir" und "Die" und fördert Nationalismus.
4. VERSCHLEIERUNG VON RASSISMUS: Der Begriff verschleiert rassistische Motive, indem er den Eindruck erweckt, es gehe um den Schutz der Kultur und nicht um die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

Umvolkung (Graph)Meine Ehre heißt Treue (Graph)

Quiz: Wahre Bedeutung

Was bedeutet der Begriff "Überfremdung" tatsächlich? Wähle die korrekte Aussage aus.

VorherigesUmvolkung
NächstesMeine Ehre heißt Treue