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"Ureinwohner/Völkertafel"

NS-kontaminiert
Von: Kolonialherren, Nationalsozialisten, Rechtspopulisten
Datum: 18. Jh. bis heute

Nutzungshäufigkeit

Ureinwohner/Völkertafel"
Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Hintergrund:
Der Begriff 'Ureinwohner' suggeriert eine seit Urzeiten bestehende Bindung an ein bestimmtes Land, eine Vorstellung, die wissenschaftlich nicht haltbar ist. Bereits in der Antike existierten ähnliche Konzepte der Autochthonie. Im Kolonialismus wurde der Begriff genutzt, um die Enteignung und Unterdrückung indigener Völker zu rechtfertigen, indem ihnen der Status als 'Naturvölker' zugeschrieben wurde. Im Nationalsozialismus wurde die Idee einer 'Völkertafel' genutzt, um eine vermeintliche Abstammungsgemeinschaft zu konstruieren und biologistische/rassistische Konzepte zu untermauern. Franz Boas und Max Weber betonten die Konstruktion sozialer Gemeinschaften und den subjektiven Glauben an Abstammung, was eine Gegenposition zu solchen biologistischen Konzepten darstellt. Robert Ezra Park nannte Hautfarbe als ein Merkmal ethnischer Zuordnung. Nach 1945 wird der Begriff weiterhin in Debatten um Migration und nationale Identität verwendet, oft mit dem Ziel, eine homogene 'Volksgemeinschaft' zu konstruieren und Minderheiten auszugrenzen.
Kontext:
Wird verwendet, um vermeintliche Abstammungsrechte zu konstruieren, Minderheiten auszugrenzen oder koloniale Ansprüche zu rechtfertigen. Im rechtsextremen Kontext dient es zur Konstruktion einer vermeintlich homogenen Volksgemeinschaft und zur Ausgrenzung von Migranten.
Einordnung

Die Vorstellung einer 'Völkertafel' und die Betonung einer vermeintlichen Abstammungsgemeinschaft wurden im Nationalsozialismus genutzt, um rassistische Ideologien zu untermauern und die Ausgrenzung von Minderheiten zu rechtfertigen. Die Arbeiten von Franz Boas und Max Weber stellen eine Gegenposition zu biologistischen/rassistischen Konzepten dar, die im Nationalsozialismus vorherrschten (Historisches Lexikon Bayerns).

Strategische Funktion

1. DELEGITIMIERUNG: Migranten und Minderheiten werden als 'nicht dazugehörig' dargestellt, da sie nicht als 'Ureinwohner' gelten.
2. IDENTITÄTSSTIFTUNG: Konstruktion einer vermeintlich homogenen 'Volksgemeinschaft', die auf einer gemeinsamen Abstammung basiert.
3. RECHTFERTIGUNG: Rechtfertigung von Ausgrenzung, Diskriminierung und sogar Gewalt gegen Minderheiten, die als 'Fremdkörper' in der 'Volksgemeinschaft' wahrgenommen werden.
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