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"Totaler Krieg"

NS-kontaminiert
Von: Joseph Goebbels1 (NSDAP), Erich Ludendorff (Militär)
Datum: 18. Februar 1943

Nutzungshäufigkeit

Totaler Krieg"
Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Hintergrund:
Der Begriff 'Totaler Krieg' beschreibt eine Kriegsführung, die alle gesellschaftlichen Bereiche und Ressourcen für die Kriegsziele mobilisiert. Die Idee geht auf den Ersten Weltkrieg zurück, als der französische Journalist Léon Daudet den Begriff 'guerre totale' im Kontext deutscher Luftangriffe auf Paris prägte. In Deutschland wurde der Begriff vor allem durch Erich Ludendorff popularisiert, der ihn in seinem 1935 veröffentlichten Buch 'Der totale Krieg' theoretisch untermauerte und die Mobilisierung aller gesellschaftlichen Kräfte forderte. Im Nationalsozialismus wurde der Begriff von Joseph Goebbels1 aufgegriffen und propagandistisch instrumentalisiert, um die Bevölkerung zu maximalen Kriegsanstrengungen zu bewegen. Nach 1945 geriet der Begriff aufgrund seiner NS-Belastung in Misskredit. In jüngerer Zeit wird der Begriff gelegentlich in politischen Debatten wiederbelebt, oft im Kontext von Terrorismusbekämpfung oder hybriden Kriegen, was jedoch aufgrund der historischen Konnotationen kritisch gesehen wird.
Kontext:
Der Begriff 'Totaler Krieg' wurde von Joseph Goebbels1 in seiner berüchtigten Rede im Berliner Sportpalast am 18. Februar 1943 während des Zweiten Weltkriegs propagiert. Angesichts der drohenden Niederlage in Stalingrad versuchte Goebbels, die deutsche Bevölkerung zu noch größeren Anstrengungen zu bewegen. Er beschwor die Zuhörer auf einen Kampf bis zum Äußersten ein und fragte rhetorisch: „Wollt ihr den totalen Krieg, wenn nötig, totaler und radikaler als wir ihn uns heute überhaupt erst vorstellen können?“ Die Rede zielte darauf ab, die Moral der Bevölkerung zu stärken und alle verfügbaren Ressourcen für den Krieg zu mobilisieren. Die propagandistische Inszenierung der Rede und die vermeintliche Zustimmung des Volkes wurden anschließend von den Nationalsozialisten ausgeschlachtet, um den Durchhaltewillen zu demonstrieren und Widerstand zu unterdrücken. Der Begriff diente dazu, die Bevölkerung auf die Notwendigkeit von Entbehrungen und Opfern einzuschwören.
Einordnung

Die NS-Instrumentalisierung des Begriffs 'Totaler Krieg' ist durch zahlreiche historische Quellen und wissenschaftliche Arbeiten belegt. Joseph Goebbels1' Sportpalastrede vom 18. Februar 1943 gilt als zentrales Dokument der NS-Propaganda (vgl. Longerich, Peter: Goebbels. Biographie. München: Siedler, 2010). Die Mobilisierung der gesamten Gesellschaft für den Krieg unter dem Schlagwort des 'Totalen Krieges' wird in der Forschung als wesentlicher Bestandteil der NS-Kriegsführung analysiert (vgl. Müller, Rolf-Dieter: Der Bombenkrieg 1939-1945. Freiburg: Rombach, 2004). Die Verwendung des Begriffs im NS-Kontext ist somit untrennbar mit der Ideologie der totalen Unterwerfung und Vernichtung verbunden.

Strategische Funktion

1. MORALISCHE MOBILISIERUNG: Der Begriff diente dazu, die Bevölkerung auf einen existenziellen Kampf einzuschwören und die Bereitschaft zu Opfern und Entbehrungen zu erhöhen. Durch die Betonung der Totalität des Krieges sollte ein Gefühl der nationalen Einheit und Entschlossenheit erzeugt werden.
2. LEGITIMATION VON MASSNAHMEN: Der 'Totale Krieg' diente als Rechtfertigung für die Ausweitung staatlicher Kontrolle und die Einschränkung bürgerlicher Freiheiten. Maßnahmen wie Zwangsarbeit, Rationierung und Propaganda wurden als notwendig dargestellt, um den Krieg zu gewinnen.
3. ESKALATION DER GEWALT: Der Begriff implizierte eine Entgrenzung der Kriegsführung und die Akzeptanz von Gewalt gegen die Zivilbevölkerung des Gegners. Die Unterscheidung zwischen Kombattanten und Nichtkombattanten wurde zunehmend aufgehoben, was zu einer Eskalation der Kriegshandlungen führte.
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