"Volksverräter"
RückläufigNutzungshäufigkeit
Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).
Der Begriff 'Volksverräter' hat eine lange und dunkle Geschichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht, aber seine verheerendste Instrumentalisierung erfuhr er im Nationalsozialismus. Dort diente er als zentrale Diffamierungsformel, um politische Gegner, Juden, Andersdenkende und vermeintliche 'Schädlinge am Volkskörper' zu stigmatisieren, zu verfolgen und schließlich zu ermorden. Die NS-Propaganda nutzte den Begriff, um ein Klima der Angst und des Hasses zu schüren und die Bevölkerung zur Denunziation und Gewalt gegen Andersdenkende aufzustacheln. Nach 1945 wurde der Begriff zwar geächtet, erlebte aber in den letzten Jahrzehnten eine Wiederbelebung in rechtsextremen und populistischen Kreisen, die ihn nutzen, um ihre Gegner zu delegitimieren und eine vermeintliche 'Volksgemeinschaft' gegen 'Eliten' und 'Fremde' zu mobilisieren. Die Verwendung des Begriffs ist daher untrennbar mit der NS-Ideologie verbunden und stellt eine Gefahr für die Demokratie dar.
Der Begriff wird im Rahmen von politischen Kundgebungen und in sozialen Medien verwendet, um Akteure aus Politik und Medien zu diffamieren.
Der Begriff 'Volksverräter' wurde im Nationalsozialismus systematisch zur Diffamierung und Verfolgung von Juden, politischen Gegnern und anderen Minderheiten eingesetzt. Dies ist durch zahlreiche historische Dokumente und wissenschaftliche Arbeiten belegt (z.B. Benz, Wolfgang: Dimension des Völkermords. Die nationalsozialistische Judenverfolgung. DOI: 10.1515/9783486597396). Obwohl der Begriff älteren Ursprungs ist, wurde er durch die NS-Propaganda ideologisch aufgeladen und mit rassistischen und antisemitischen Inhalten gefüllt, was ihn bis heute NS-kontaminiert macht.