"Nordische Rasse"
RückläufigNutzungshäufigkeit
Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).
Der Begriff 'Nordische Rasse' entstammt der rassistischen Anthropologie des 19. Jahrhunderts, insbesondere den Schriften von Arthur de Gobineau und Houston Stewart Chamberlain. Diese Autoren konstruierten eine Hierarchie der 'Rassen', in der die 'Nordische Rasse' als Trägerin von Zivilisation und Kultur idealisiert wurde. Im Nationalsozialismus wurde diese Ideologie aufgegriffen und pervertiert. Die 'Nordische Rasse' wurde zum Inbegriff des 'arischen Herrenmenschen' erklärt und zur Rechtfertigung von Diskriminierung, Verfolgung und Völkermord an anderen Bevölkerungsgruppen missbraucht. Nach 1945 wurde der Begriff in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung weitgehend verworfen, erlebt aber in rechtsextremen und neonazistischen Kreisen eine Wiederbelebung, oft als verschleierte Umschreibung für 'weiße' Menschen, um rassistische Ideologien zu transportieren, ohne direkt an die NS-Zeit zu erinnern. Die Verwendung des Begriffs ist daher stets als Ausdruck rassistischer und menschenverachtender Ideologien zu werten.
Wurde im Nationalsozialismus als hierarchisch höchste und 'reinste' Untergruppe der 'arischen Rasse' propagiert. Dient heute in rechtsextremen Kreisen als Code für 'weiße' Bevölkerungsgruppen und zur Abgrenzung von 'nicht-weißen' Menschen.
Die Ideologie der 'Nordischen Rasse' war ein zentrales Element der nationalsozialistischen Rassenlehre. Alfred Rosenberg, einer der führenden NS-Ideologen, propagierte die Überlegenheit der 'Nordischen Rasse' in seinem Buch 'Der Mythus des 20. Jahrhunderts' (Rosenberg, 1930). Zahlreiche Gesetze und Verordnungen des NS-Regimes, wie die Nürnberger Gesetze von 1935, basierten auf der rassistischen Unterscheidung zwischen 'Ariern' und 'Nicht-Ariern', wobei die 'Nordische Rasse' als Idealbild des 'Ariers' diente. Die systematische Verfolgung und Ermordung von Juden, Sinti und Roma sowie anderen Minderheiten wurde mit der angeblichen 'Reinheit' der 'Nordischen Rasse' gerechtfertigt. (Aly, Götz. 'Hitlers Volkstaat: Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus.' Fischer, 2005. Klee, Ernst. 'Das Personenlexikon zum Dritten Reich.' Fischer, 2007.)