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"Arbeit macht frei"

NS-Kernvokabular
Von: Nationalsozialisten
Datum: 1933-1945
Hintergrund:
Der Spruch "Arbeit macht frei" wurde von den Nationalsozialisten als zynische Parole über den Eingängen von Konzentrationslagern wie Auschwitz, Dachau und Sachsenhausen angebracht. Ursprünglich stammt der Titel aus dem Roman "Arbeit macht frei" (1873) von Lorenz Diefenbach, in dem ein Betrüger durch Arbeit geläutert wird. Die NS-Machthaber instrumentalisierten den Spruch, um die systematische Ausbeutung und Vernichtung von Menschen zu verschleiern. Der Auschwitz-Überlebende Tibor Wohl berichtete, dass ihn der Spruch bei seiner Ankunft in Theresienstadt zunächst beruhigte, bevor er die wahre Bedeutung der "Vernichtung durch Arbeit" erkannte. Der Kunstschmied Jan Liwacz, der den Schriftzug für Auschwitz anfertigen musste, baute bewusst einen Fehler ein – ein umgedrehtes 'B' als Zeichen des Widerstands. Nach dem Krieg wurde der Spruch zum Symbol für die Verbrechen des NS-Regimes und die Verhöhnung der Opfer. Die Verwendung des Spruchs in der Nachkriegszeit, wie im Fall der Moderatorin Juliane Ziegler, führte zu öffentlicher Empörung und verdeutlicht die anhaltende Belastung durch das NS-Erbe.
Kontext:
Zynischer Spruch über den Eingängen von Konzentrationslagern, der den Häftlingen vorgaukelte, durch Arbeit Freiheit zu erlangen, während sie in Wirklichkeit ausgebeutet, gequält und ermordet wurden.
Einordnung

Die Verwendung von "Arbeit macht frei" als Inschrift über den Toren von Konzentrationslagern ist ein eindeutiger NS-Nachweis. Der Spruch wurde systematisch zur Täuschung und Verhöhnung der Häftlinge eingesetzt (vgl. Benz, Wolfgang; Distel, Barbara: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 1, München 2005). Die Instrumentalisierung des Spruchs ist auch in der Forschungsliteratur zur NS-Sprache dokumentiert (vgl. Klemperer, Victor: LTI – Notizbuch eines Philologen, Berlin 1947).

Strategische Funktion

1. TÄUSCHUNG: Der Spruch sollte den Häftlingen vorgaukeln, dass Arbeit eine Möglichkeit zur Freiheit sei, um Widerstand zu minimieren und die Ausbeutung zu erleichtern. Dies ist demokratiegefährdend, da es die Realität der Konzentrationslager verschleiert und die Opfer verhöhnt.
2. DEHUMANISIERUNG: Die Verbindung von Arbeit und Freiheit in einem Kontext der Zwangsarbeit und Vernichtung entmenschlichte die Häftlinge und reduzierte sie auf bloße Arbeitskräfte. Dies ist demokratiegefährdend, da es die Würde des Einzelnen untergräbt und die Grundlage für Menschenrechtsverletzungen bildet.
3. RECHTFERTIGUNG: Der Spruch diente als ideologische Rechtfertigung für die brutale Behandlung und Ausbeutung der Häftlinge, indem er den Eindruck erweckte, dass ihre Arbeit einen Wert habe und sie sich ihre Freiheit verdienen könnten. Dies ist demokratiegefährdend, da es die Verbrechen des NS-Regimes verharmlost und die Täter entlastet.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Quiz: Wahre Bedeutung

Was bedeutet der Begriff "Arbeit macht frei" tatsächlich? Wähle die korrekte Aussage aus.

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