Von:Björn Höcke (AfD), Martin Sellner (Identitäre Bewegung)
Datum: 2024
Nutzungshäufigkeit
„Das System"
Das „Nazisprech"-Kriterium
Dieser Graph zeigt das Wiederaufleben eines historisch belasteten Begriffs: populär während der NS-Diktatur (1933–1945), nach 1945 tabuisiert, bis zur belegten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart. Dieses Doppel-Gipfel-Muster ist unser Kernkriterium.
HintergrundDer Begriff "Das System" hat eine lange und wechselvolle Geschichte. Ursprünglich neutral, wurde er im Laufe des 20. Jahrhunderts zunehmend von politischen Randgruppen instrumentalisiert. In der Weimarer Republik wurde er von Gegnern der Demokratie verwendet, um die parlamentarische Ordnung zu diskreditieren. Im Nationalsozialismus wurde der Begriff zwar nicht prominent verwendet, aber die NS-Propaganda bediente sich ähnlicher Konstrukte, um eine vermeintliche "jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung" zu konstruieren, die angeblich die deutsche Nation bedrohte. Nach 1945 verschwand der Begriff zunächst weitgehend aus dem öffentlichen Diskurs, erlebte aber in den 1960er und 1970er Jahren eine Wiederbelebung in der Studentenbewegung und in Teilen der Neuen Linken, die damit die kapitalistische Gesellschaft kritisierten. Seit den 1990er Jahren wird der Begriff verstärkt von der extremen Rechten verwendet, um eine vermeintliche "Elite" zu bezeichnen, die angeblich die Interessen des "Volkes" verrate. Diese Verwendung knüpft an antisemitische Verschwörungstheorien an und dient der Delegitimierung der Demokratie.
KontextDer Begriff "Das System" wird in der heutigen Zeit vor allem von Akteuren der extremen Rechten verwendet, um eine vermeintliche Verschwörung von Politik, Medien und anderen Institutionen zu beschreiben, die angeblich gegen die Interessen des "Volkes" agieren. Björn Höcke (AfD) nutzt den Begriff regelmäßig in seinen Reden, um die Bundesregierung und die etablierten Parteien zu diffamieren und als Marionetten einer höheren Macht darzustellen. Auch Martin Sellner (Identitäre Bewegung) bedient sich dieser Rhetorik, um seine Anhänger gegen die bestehende Ordnung aufzuhetzen. Der Begriff wird oft im Zusammenhang mit anderen Kampfbegriffen wie "Volksverräter" und "Lügenpresse" verwendet, um eine feindselige Atmosphäre zu erzeugen und das Vertrauen in demokratische Institutionen zu untergraben. Die Verwendung des Begriffs gipfelte in Demonstrationen und Kundgebungen, bei denen Parolen wie "Wir sind das Volk, und ihr seid das System!" skandiert wurden. Diese Zuspitzung dient der Mobilisierung und Radikalisierung der Anhängerschaft.
NS-Nachweis
Obwohl der Begriff "Das System" nicht originär aus der NS-Zeit stammt, ist seine heutige Verwendung durch die extreme Rechte NS-kontaminiert. Die Konstruktion eines vermeintlichen "Systems", das im Geheimen die Fäden zieht und gegen das "Volk" agiert, erinnert an die NS-Propaganda von der "jüdischen Weltverschwörung". Diese Kontinuität wird in zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten belegt, etwa von Wolfgang Benz in "Die Protokolle der Weisen von Zion: Die Legende von der jüdischen Weltverschwörung" (2007) und von Samuel Salzborn in "Antisemitismus als negative Leitidee: Strukturen ideologischen Denkens" (2010). Die Verwendung des Begriffs dient somit der Verbreitung antisemitischer und verschwörungstheoretischer Denkmuster, die eine zentrale Rolle in der NS-Ideologie spielten. Die Instrumentalisierung des Begriffs durch Rechtsextreme ist ein Angriff auf die Fundamente der Demokratie und des Rechtsstaats.
Strategische Funktion
1. DIFFAMIERUNG: Die pauschale Diffamierung von Politikern, Journalisten und anderen Akteuren als Teil eines "Systems" dient dazu, das Vertrauen in demokratische Institutionen zu untergraben und eine feindselige Atmosphäre zu erzeugen.
2. MOBILISIERUNG: Der Begriff wird verwendet, um eine vermeintliche Bedrohung durch das "System" zu konstruieren und die Anhängerschaft zur Mobilisierung gegen die bestehende Ordnung aufzurufen. Dies kann bis hin zu gewalttätigen Aktionen führen.
3. IDENTITÄTSSTIFTUNG: Die Abgrenzung vom "System" dient der Identitätsstiftung innerhalb der extremen Rechten. Wer sich als Gegner des "Systems" positioniert, gehört zur "wahren" Gemeinschaft und grenzt sich von den vermeintlichen "Volksverrätern" ab.