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"Denkmal der Schande"

NS-Kernvokabular
Von: Björn Höcke (AfD), Rudolf Augstein (Der Spiegel), Martin Walser
Datum: 1998 (Augstein), 2017 (Höcke)
Hintergrund:
Der Begriff "Denkmal der Schande" wurde im Kontext der Auseinandersetzung um das Holocaust-Mahnmal in Berlin verwendet. Ursprünglich von Rudolf Augstein (1998) und Martin Walser gebraucht, erlangte er besondere Bekanntheit durch Björn Höcke (2017), der ihn nutzte, um eine erinnerungspolitische Wende zu fordern. Die Bezeichnung impliziert eine Ablehnung der deutschen Erinnerungskultur und eine Relativierung der NS-Verbrechen. Augsteins Verwendung des Begriffs ist von antisemitischen Untertönen durchzogen, da er argumentiert, das Mahnmal sei gegen das sich neu formierende Deutschland gerichtet und würde Antisemitismus schüren. Höckes Verwendung reiht sich in eine Strategie der AfD ein, die deutsche Geschichte umzudeuten und ein positives Nationalgefühl zu fördern, indem sie die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit als Belastung darstellt. Die Verwendung des Begriffs durch verschiedene Akteure zeigt, wie die Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit bis heute ideologisch aufgeladen ist.
Kontext:
Bezeichnung des Holocaust-Mahnmals in Berlin als "Denkmal der Schande" in Reden und Artikeln. Höcke nutzte den Begriff in einer Rede vor der Jugendorganisation seiner Partei, während Augstein ihn in einem Kommentar im Spiegel verwendete. Walser sprach von einer "Monumentalisierung der Schande".
Einordnung

Der Begriff selbst ist nicht originär im Nationalsozialismus entstanden, jedoch wurde er im Kontext der Auseinandersetzung mit dem Holocaust-Mahnmal von Personen verwendet, die entweder eine Relativierung der NS-Verbrechen anstreben oder antisemitische Ressentiments bedienen. Die Verwendung des Begriffs dient dazu, die deutsche Erinnerungskultur zu delegitimieren und eine positive nationale Identität zu konstruieren, die sich nicht mit der NS-Vergangenheit auseinandersetzen muss. Die Kontaminierung ergibt sich aus dem Kontext der Verwendung und der damit verbundenen Intention, die NS-Verbrechen zu relativieren oder zu leugnen. Augsteins Argumentation, dass das Mahnmal Antisemitismus schüren würde, ist eine klassische Schuldumkehr, die im NS-Gedankengut verankert ist.

Strategische Funktion

1. DELEGITIMIERUNG: Die Bezeichnung des Holocaust-Mahnmals als "Denkmal der Schande" dient dazu, die etablierte Erinnerungskultur in Deutschland zu delegitimieren und in Frage zu stellen. Dies untergräbt das Vertrauen in staatliche Institutionen und die Geschichtsschreibung.
2. IDENTITÄTSSTIFTUNG: Durch die Ablehnung des Mahnmals wird eine positive nationale Identität konstruiert, die sich nicht mit der NS-Vergangenheit auseinandersetzen muss. Dies ermöglicht es, ein geschlossenes Weltbild zu vermitteln und die Anhängerschaft zu festigen.
3. NORMALISIERUNG RECHTSPOPULISTISCHER POSITIONEN: Die Verwendung des Begriffs durch prominente Politiker und Medienfiguren trägt dazu bei, rechtspopulistische Positionen zu normalisieren und in den öffentlichen Diskurs zu integrieren. Dies verschiebt die Grenzen des Sagbaren und ermöglicht es, extremistische Ideologien zu verbreiten.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Quiz: Wahre Bedeutung

Was bedeutet der Begriff "Denkmal der Schande" tatsächlich? Wähle die korrekte Aussage aus.

Quellen & Belege

Deutschlandfunk – Höcke-Äußerungen: Diese Ausflüge in die Zeit des Dritten Reichs sind kontraproduktiv (Artikel) Übermedien – Höcke, Augstein und das Denkmal der Schande (Artikel) Deutscher Kulturrat – Die Erinnerung wachhalten (Artikel) Treffpunkt Europa – Denkmal der Schande (Artikel) Deutschlandfunk Kultur – "Denkmal der Schande": Gauland distanziert sich nicht von Höcke (Artikel) Deutscher Bundestag – Linke will Gedenkort für NS-Kriegsopfer in Osteuropa (Artikel) Der Spiegel – Zentrum für Politische Schönheit: Björn Höcke und das Denkmal der Schande (Artikel) Wikipedia: Kategorie Sprache des Nationalsozialismus bpb: Vokabeln im Nationalsozialismus Campact Blog: Nazi-Sprech WirtschaftsWoche: Nazi-Wörter Wikipedia: Sprache des Nationalsozialismus Geschichte Abitur: Sprache im Nationalsozialismus Chrismon: AfD-Sprache zeigt Nähe zum Rechtsextremismus Wikipedia: Glossary of Nazi Germany Spiegel Online: Wie die AfD unsere Sprache nach rechts verschiebt Esquire: Vorsicht, Nazi-Vokabular! Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Vortrag) Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Transkript/36c3) bpb: Zehn Stigmavokabeln SRF Kultur: Wörter des Grauens Wikipedia: Nazi-Vergleich Babbel Magazin: Rassistische Wörter und Redewendungen Focus Online: Nazi-Sprache Deutschlandfunk: Die Sprache der AfD Rolling Planet: Vorsicht vor Wörtern aus der NS-Zeit Wikipedia: Liste rechtsextremer Kampfbegriffe Zeit Online: NS-Rhetorik der AfD Heuler Magazin: Redewendungen aus der Nazi-Zeit DWDS — Wortverlaufskurve für 'Denkmal der Schande'
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