Zürück zur Übersicht
Vorheriges: Fremd im eigenen LandNächstes: Heimatschutz

"Der Große Austausch"

NS-kontaminierte Verschwörungserzählung
Von: Rechtsextreme Parteien und Einzelpersonen (AfD, Identitäre Bewegung, Adolf Hitler, Thilo Sarrazin, Martin Sellner)
Datum: 2016 (Martin Sellner)
Hintergrund:
Der Begriff beschreibt eine rechtsextreme Verschwörungserzählung, wonach eine geheime Elite einen Austausch der (weißen) Bevölkerung im Westen plant, um diese zu eliminieren. Die Geschichte der Menschheit ist geprägt von Migration und kulturellem Wandel, doch Rechtsextreme sehen dies als Bedrohung der vermeintlichen 'Reinheit' einer Bevölkerung. Die Ideologie geht auf Adolf Hitler zurück, der in 'Mein Kampf' die Vorstellung verbreitete, Juden steckten hinter diesem 'Bevölkerungsaustausch'. Nach dem Bekanntwerden der NSU-Morde wurde der Begriff 'Volkstod' zunehmend durch 'Großer Austausch' ersetzt, um die antisemitische und rassistische Ideologie zu verschleiern. Auch Akteure außerhalb der extremen Rechten, wie Thilo Sarrazin, haben durch rassistische Aussagen zur Verbreitung dieser Ideologie beigetragen.
Kontext:
Martin Sellner (Identitäre Bewegung) bezeichnete den „großen Austausch“ als übergreifenden Begriff, der alle wichtigen Themen des Milieus vereint. Die Erzählung wird genutzt, um gegen Migration zu hetzen, vor „Mischehen“ zu warnen und eine „Islamisierung“ zu beschwören.
Einordnung

Die Idee eines gesteuerten 'Bevölkerungsaustauschs' wurde bereits von Adolf Hitler in 'Mein Kampf' propagiert, was eine klare NS-Verbindung darstellt. Die heutige Verwendung knüpft direkt an diese antisemitische und rassistische Ideologie an und dient der Mobilisierung rechtsextremer Gewalt. (Vgl. GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, 2021)

Strategische Funktion

1. DELEGITIMIERUNG: Migrant*innen und Geflüchtete werden als Bedrohung für die 'eigene' Bevölkerung dargestellt, was zu einer Ablehnung von Vielfalt und Integration führt. Dies untergräbt die Prinzipien einer offenen und toleranten Gesellschaft.
2. MOBILISIERUNG: Die Verschwörungserzählung schürt Angst und Hass, was zur Radikalisierung und Gewaltbereitschaft innerhalb rechtsextremer Kreise beiträgt. Dies gefährdet die öffentliche Sicherheit und den gesellschaftlichen Frieden.
3. SPALTUNG: Durch die Konstruktion eines 'Wir' (die 'eigene' Bevölkerung) gegen 'Die' (Migrant*innen, Eliten) wird die Gesellschaft polarisiert und der Zusammenhalt geschwächt. Dies erschwert konstruktive Debatten und Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen.
4. RECHTFERTIGUNG VON GEWALT: Die Erzählung dient als Rechtfertigung für rassistisch motivierte Gewaltakte, da die vermeintliche Bedrohung durch den 'Austausch' als Notwehrsituation dargestellt wird. Dies führt zu einer Eskalation von Hasskriminalität und Terrorismus.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

Fremd im eigenen Land (Graph)Heimatschutz (Graph)

Quiz: Wahre Bedeutung

Was bedeutet der Begriff "Der Große Austausch" tatsächlich? Wähle die korrekte Aussage aus.

VorherigesFremd im eigenen Land
NächstesHeimatschutz