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"Heimatschutz"

NS-instrumentalisiert
Von: NPD, AfD, Rechtsextreme Gruppierungen
Datum: 2015 (moderne Verwendung)
Hintergrund:
Der Begriff „Heimatschutz“ hat seine Wurzeln im ausgehenden 19. Jahrhundert und war zunächst eine Reaktion auf die Schattenseiten der Industrialisierung. Im Nationalsozialismus wurde er instrumentalisiert, um die Ideologie von „Blut und Boden“ zu untermauern und die Kolonisierung des Ostens im Rahmen des »Generalplan Ost« ideologisch vorzubereiten. Landschaftsplaner und Naturschützer waren aktiv an der Planung »deutscher« Landschaften beteiligt, um die anzusiedelnde »Volksgemeinschaft« zu integrieren. Nach 1945 wurde der Begriff von konservativen und rechten Kreisen weitergeführt, wobei er oft mit einer völkischen Ideologie und der Ausgrenzung von allem „Fremden“ verbunden ist. Aktuell wird der Begriff von rechtsextremen Parteien und Gruppierungen verwendet, um eine vermeintliche Bedrohung der „deutschen“ Heimat durch Einwanderung und Islamisierung zu konstruieren. Paul Schultze-Naumburg, erster Präsident des Bundes Heimatschutz, brachte die völkische Gesellschaftsvorstellung und Heimatkonzeption als Reichstagsabgeordneter der NSDAP ins Parlament.
Kontext:
Pegida-Anhänger verkündeten bei Demonstrationen: „Heimatschutz statt Islamisierung!“. Rechtsextreme Parteien und Gruppierungen verwenden die Formulierung „Umweltschutz ist Heimatschutz“.
NS-Nachweis

Der Begriff wurde im Nationalsozialismus instrumentalisiert, um die Ideologie von „Blut und Boden“ zu untermauern und die Kolonisierung des Ostens im Rahmen des »Generalplan Ost« ideologisch vorzubereiten (akweb.de). Hans Klose, Direktor der Reichsstelle für Naturschutz, trug aktiv dazu bei, dass Naturschutz Teil des »Generalplan Ost« wurde. Hermann Göring nutzte das Reichsnaturschutzgesetz von 1935, um persönliche Interessen (Jagd) zu verfolgen, während gleichzeitig der Raubbau an der Natur im Zuge der Kriegsvorbereitungen zunahm (akweb.de).

Strategische Funktion

1. AUSGRENZUNG: Durch die Betonung einer vermeintlich unveränderlichen Identität und Herkunft wird eine klare Abgrenzung zwischen „Einheimischen“ und „Fremden“ geschaffen. Dies dient dazu, bestimmte Bevölkerungsgruppen zu marginalisieren und auszugrenzen, was die gesellschaftliche Spaltung fördert.
2. IDEOLOGISCHE UNTERWANDERUNG: Der Begriff wird verwendet, um rechtsextreme Ideologien in vermeintlich harmlose Themen wie Umweltschutz und Naturschutz einzubetten. Dies ermöglicht es, ein breiteres Publikum anzusprechen und die eigenen politischen Ziele zu verschleiern.
3. MOBILISIERUNG: Der Begriff dient als emotionaler Anker, um Menschen zu mobilisieren und für rechtsextreme Ziele zu gewinnen. Die Beschwörung einer vermeintlichen Bedrohung der „Heimat“ durch „Fremde“ schürt Ängste und Ressentiments, die für politische Zwecke instrumentalisiert werden.
4. GESCHICHTSREVISIONISMUS: Durch die positive Besetzung des Begriffs wird die NS-Vergangenheit relativiert und die Kontinuität rechter Ideologien verschleiert. Dies dient dazu, die eigene politische Agenda zu legitimieren und die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit zu erschweren.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Quiz: Wahre Bedeutung

Was bedeutet der Begriff "Heimatschutz" tatsächlich? Wähle die korrekte Aussage aus.

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