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"Fremd im eigenen Land"

NS-instrumentalisiert
Von: Rechtsextreme, Rechtspopulisten, Identitäre Bewegung
Datum: 1990er Jahre, verstärkt ab 2015
Hintergrund:
Der Begriff beschreibt ein Gefühl der Entfremdung und Nicht-Zugehörigkeit im eigenen Heimatland. Ursprünglich wurde er von Minderheiten verwendet, um ihre Erfahrungen mit Diskriminierung und Ausgrenzung zu beschreiben. Im Nationalsozialismus wurde der Begriff pervertiert und rassistisch instrumentalisiert, um Afrodeutsche, die sogenannten 'Rheinlandbastarde', auszugrenzen und zu verfolgen. Die NS-Kommission Nr. 3 setzte Zwangsterilisationen gegen diese Bevölkerungsgruppe durch. Nach 1945 wurde der Begriff zunächst von Betroffenen und in der Migrationsforschung verwendet, um die Situation von Migranten zu beschreiben. Seit den 1990er Jahren wird er zunehmend von Rechtsextremen und Rechtspopulisten verwendet, um Migranten und Geflüchtete zu diffamieren und ihnen die deutsche Identität abzusprechen. Auch im Kontext der 'Ostalgie' und der Benachteiligung von Ostdeutschen nach der Wiedervereinigung findet der Begriff Verwendung, wobei er von rechten Gruppierungen instrumentalisiert wird, um ein 'Opfernarrativ' zu bedienen. Theodor Wonja Michael, ein Holocaust-Überlebender und Autor, thematisierte das Schicksal von Afrodeutschen während des Nationalsozialismus.
Kontext:
Wird von Rechtsextremen und Rechtspopulisten verwendet, um Menschen mit Migrationshintergrund oder Ostdeutsche zu diffamieren und ihnen die Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft abzusprechen. Oft im Kontext von Migrationsdebatten und Diskussionen über nationale Identität.
Einordnung

Die rassistische Instrumentalisierung des Begriffs im Nationalsozialismus zur Ausgrenzung und Verfolgung von Afrodeutschen ist durch historische Dokumente und Forschung belegt (siehe z.B. die Arbeit der NS-Kommission Nr. 3). Die Verwendung des Begriffs durch Rechtsextreme und Rechtspopulisten knüpft an diese Tradition an und dient der Ausgrenzung und Diffamierung von Minderheiten. Die Kontinuität der Verwendung des Begriffs zur Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen stellt eine NS-Kontaminierung dar.

Strategische Funktion

1. DELEGITIMIERUNG: Migranten und andere Minderheiten werden als 'nicht zugehörig' dargestellt, was ihre Rechte und Ansprüche in der Gesellschaft untergräbt. Dies dient der Spaltung der Gesellschaft und der Schaffung eines 'Wir gegen Die'-Gefühls.
2. OPFERNARRATIV: Durch die Behauptung, selbst 'fremd im eigenen Land' zu sein, inszenieren sich Rechtsextreme und Rechtspopulisten als Opfer einer vermeintlichen 'Überfremdung' und lenken von ihrer eigenen Rolle als Täter ab. Dies dient der Mobilisierung ihrer Anhänger und der Rechtfertigung ihrer politischen Agenda.
3. KULTURELLE HEGEMONIE: Der Begriff wird verwendet, um eine homogene, 'deutsche' Identität zu konstruieren und alle abzuwerten, die nicht diesem Ideal entsprechen. Dies dient der Durchsetzung einer völkischen Ideologie und der Unterdrückung von Vielfalt und Pluralismus.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Quiz: Wahre Bedeutung

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