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"Entartete Kunst"

NS-Kernvokabular
Von: Nationalsozialistische Funktionäre
Datum: 19. Juli 1937
Hintergrund:
"Entartete Kunst" war ein zentraler Begriff der nationalsozialistischen Kunstpolitik, der ab 1933 zur Diffamierung und Verfolgung von Künstlern und Kunstrichtungen der Moderne verwendet wurde. Als "entartet" galten alle kulturellen Strömungen, deren Ästhetik dem NS-Regime als "undeutsch" erschien und nicht in das propagierte Menschenbild passte. Dazu gehörten unter anderem Expressionismus, Dadaismus, Kubismus und die Neue Sachlichkeit. Die Ausstellung "Entartete Kunst", initiiert von Joseph Goebbels, präsentierte ab 1937 in diffamierender Weise über 700 Werke von mehr als 120 Künstlern. Ziel war die Ausgrenzung moderner Kunst aus dem kulturellen Leben und die Diskreditierung der Künstler. Viele der beschlagnahmten Werke wurden im Ausland verkauft oder vernichtet. Nach 1945 erlebte der Begriff keine direkte Renaissance, jedoch leben die dahinterstehenden Mechanismen der Ausgrenzung und Diffamierung von Kunst und Kultur in subtileren Formen fort, insbesondere im Kontext rechtspopulistischer und extremistischer Ideologien, die moderne und zeitgenössische Kunst oft als "undeutsch" oder "elitär" ablehnen.
Kontext:
Adolf Ziegler eröffnete die Ausstellung "Entartete Kunst" in München mit einer herabwürdigenden Rede, in der er die ausgestellten Werke als "Ausgeburten des Wahnsinns, der Frechheit, des Nichtkönnens und der Entartung" bezeichnete. Die Ausstellung war Teil einer systematischen Kampagne zur Ausgrenzung und Verfolgung moderner Künstler.
Einordnung

Der Begriff wurde im Nationalsozialismus geprägt und diente als ideologisches Instrument zur Verfolgung und Ausgrenzung von Künstlern und Kunstrichtungen der Moderne. (Vgl. Fleckner, Uwe (Hrsg.): Angriff auf die Avantgarde. Kunst und Kunstpolitik im Nationalsozialismus, Berlin 2007; Forschungsstelle "Entartete Kunst" FU Berlin: https://www.geschkult.fu-berlin.de/e/khi/forschung/projekte/entartete_kunst/index.html)

Strategische Funktion

1. DELEGITIMIERUNG: Die Bezeichnung "entartet" diente dazu, moderne Kunst als minderwertig, krankhaft und schädlich für das "Volk" darzustellen. Dies untergrub die Glaubwürdigkeit und den Wert der Kunst und der Künstler in den Augen der Bevölkerung.
2. AUSGRENZUNG: Der Begriff ermöglichte die systematische Ausgrenzung von Künstlern aus dem kulturellen Leben, indem ihre Werke beschlagnahmt, ihre Ausstellungen verboten und ihre Karrieren zerstört wurden. Dies schuf eine Atmosphäre der Angst und Einschüchterung.
3. IDENTITÄTSSTIFTUNG: Durch die Abgrenzung von der "entarteten" Kunst konnte das NS-Regime ein vermeintlich "gesundes" und "deutsches" Kunstideal propagieren, das den eigenen ideologischen Vorstellungen entsprach. Dies diente der Stärkung des nationalsozialistischen Weltbildes und der Mobilisierung der Bevölkerung.
4. PROPAGANDA: Die Ausstellung "Entartete Kunst" war ein Propagandainstrument, um die Bevölkerung gegen moderne Kunst aufzuhetzen und die nationalsozialistische Kunstpolitik zu rechtfertigen. Die diffamierenden Inschriften und die Inszenierung der Ausstellung verstärkten die ablehnende Haltung gegenüber der Moderne.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Quiz: Wahre Bedeutung

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