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"Ethnopluralismus"

Rechtsextremer Kampfbegriff
Von: Neue Rechte, Identitäre Bewegung, Rechtspopulisten
Datum: 1970er Jahre (Eichberg), moderne Verwendung seit ca. 2010
Hintergrund:
Ethnopluralismus ist ein Konzept der Neuen Rechten, das in den 1970er Jahren von Henning Eichberg maßgeblich entwickelt wurde. Es postuliert die Existenz unterschiedlicher, voneinander abgrenzbarer 'Völker' und 'Kulturen', die jeweils eine eigene, unveränderliche Identität besitzen und auf ein bestimmtes Territorium begrenzt seien. Vermischung wird als Bedrohung dieser Identitäten dargestellt. Obwohl der Begriff sich vom biologischen Rassismus distanziert, transportiert er völkische Vorstellungen, die im Nationalsozialismus präsent waren, weiter. Nach 1945 wurde der Begriff zunächst weniger verwendet, erlebte aber im Kontext der Neuen Rechten und der Identitären Bewegung eine Renaissance. Heute dient er als ideologische Grundlage für die Ablehnung von Migration und die Forderung nach 'Remigration', insbesondere von Menschen muslimischen Glaubens. Gerichtsurteile (OVG Berlin-Brandenburg) sehen in dem zugrundeliegenden völkisch-abstammungsmäßigen Volksbegriff einen Verstoß gegen die Menschenwürde (Art. 1 Abs. 1 GG).
Kontext:
Wird verwendet, um die Ablehnung von Migration und kultureller Vermischung zu legitimieren, indem die vermeintliche Notwendigkeit der Bewahrung homogener Kulturen betont wird. Die Identitäre Bewegung fordert die Aufnahme des Prinzips in das Grundgesetz.
Einordnung

Obwohl der Begriff 'Ethnopluralismus' nicht direkt im Nationalsozialismus geprägt wurde, ist er NS-kontaminiert, da er völkische Denkmuster und die Vorstellung homogener, voneinander abzugrenzender 'Volkskörper' transportiert, die im NS eine zentrale Rolle spielten. Die Ablehnung von 'Vermischung' und die Betonung der 'Reinheit' von Kulturen knüpfen an NS-Ideologien an, ohne offen rassistische Terminologie zu verwenden. Eichberg selbst wird als Vordenker der Neuen Rechten gesehen, die eine ideologische Brücke zum Gedankengut des Nationalsozialismus schlägt.

Strategische Funktion

1. DELEGITIMIERUNG: Diffamierung von Multikulturalismus und Migration als Bedrohung für die 'eigene' Kultur, um Ängste zu schüren und Ablehnung zu erzeugen. Dies untergräbt die Akzeptanz einer vielfältigen Gesellschaft.
2. LEGITIMIERUNG VON AUSGRENZUNG: Rechtfertigung von Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder kulturellen Zugehörigkeit, indem diese als 'fremd' und 'nicht zugehörig' dargestellt werden. Dies widerspricht dem Gleichheitsgrundsatz.
3. SCHAFFUNG EINES 'WIR'-GEFÜHLS: Stärkung des Zusammenhalts innerhalb der 'eigenen' Gruppe durch Abgrenzung von anderen, um eine homogene Identität zu konstruieren und politische Mobilisierung zu fördern. Dies kann zu Feindseligkeit gegenüber Minderheiten führen.
4. VERHARMLOSUNG VON RASSISMUS: Verschleierung rassistischer Motive durch den Fokus auf 'Kultur' statt 'Rasse', um die Akzeptanz rechtsextremer Positionen in der Gesellschaft zu erhöhen. Dies erschwert die Bekämpfung von Rassismus.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Quiz: Wahre Bedeutung

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