"Ethnopluralismus"
Rechtsextremer KampfbegriffEthnopluralismus ist ein Konzept der Neuen Rechten, das in den 1970er Jahren von Henning Eichberg maßgeblich entwickelt wurde. Es postuliert die Existenz unterschiedlicher, voneinander abgrenzbarer 'Völker' und 'Kulturen', die jeweils eine eigene, unveränderliche Identität besitzen und auf ein bestimmtes Territorium begrenzt seien. Vermischung wird als Bedrohung dieser Identitäten dargestellt. Obwohl der Begriff sich vom biologischen Rassismus distanziert, transportiert er völkische Vorstellungen, die im Nationalsozialismus präsent waren, weiter. Nach 1945 wurde der Begriff zunächst weniger verwendet, erlebte aber im Kontext der Neuen Rechten und der Identitären Bewegung eine Renaissance. Heute dient er als ideologische Grundlage für die Ablehnung von Migration und die Forderung nach 'Remigration', insbesondere von Menschen muslimischen Glaubens. Gerichtsurteile (OVG Berlin-Brandenburg) sehen in dem zugrundeliegenden völkisch-abstammungsmäßigen Volksbegriff einen Verstoß gegen die Menschenwürde (Art. 1 Abs. 1 GG).
Wird verwendet, um die Ablehnung von Migration und kultureller Vermischung zu legitimieren, indem die vermeintliche Notwendigkeit der Bewahrung homogener Kulturen betont wird. Die Identitäre Bewegung fordert die Aufnahme des Prinzips in das Grundgesetz.
Obwohl der Begriff 'Ethnopluralismus' nicht direkt im Nationalsozialismus geprägt wurde, ist er NS-kontaminiert, da er völkische Denkmuster und die Vorstellung homogener, voneinander abzugrenzender 'Volkskörper' transportiert, die im NS eine zentrale Rolle spielten. Die Ablehnung von 'Vermischung' und die Betonung der 'Reinheit' von Kulturen knüpfen an NS-Ideologien an, ohne offen rassistische Terminologie zu verwenden. Eichberg selbst wird als Vordenker der Neuen Rechten gesehen, die eine ideologische Brücke zum Gedankengut des Nationalsozialismus schlägt.
Strategische Funktion
Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)
Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).
Quiz: Wahre Bedeutung
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