"Heimatschutz"
RückläufigNutzungshäufigkeit
Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).
Der Begriff „Heimatschutz“ entstand im späten 19. Jahrhundert als Teil einer konservativen Bewegung, die sich gegen die Industrialisierung und Modernisierung richtete. 1904 wurde der „Deutsche Bund Heimatschutz“ gegründet, der sich dem Schutz von Natur und kulturellem Erbe widmete. Während des Ersten Weltkriegs wurde der Begriff zunehmend völkisch geprägt. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Heimatschutz ideologisch instrumentalisiert, um die Blut-und-Boden-Ideologie zu fördern und regionale Differenzen zu verwischen. 1937 wurde der „Bund Heimatschutz“ in „Deutscher Heimatbund“ umbenannt, was den Übergang in das NSDAP-System markierte. Nach 1945 war der Begriff lange Zeit belastet, erlebte aber in den 1990er Jahren eine Wiederbelebung in rechtsextremen Kreisen. Heute wird „Heimatschutz“ vor allem von der AfD und anderen rechten Gruppierungen verwendet, um eine vermeintliche Bedrohung der deutschen Identität durch Einwanderung zu beschwören.
Der Begriff "Heimatschutz" wird heute vor allem von rechtsgerichteten Parteien und Gruppierungen verwendet. So verkündeten Pegida-Anhänger 2015 bei ihren Demonstrationen in Dresden auf Plakaten: „Heimatschutz statt Islamisierung!“. Die NPD bezeichnete sich jahrelang als „die soziale Heimatpartei“. Neonazigruppen wie der „Thüringer Heimatschutz“, in dem auch die späteren NSU-Terroristen aktiv waren, nutzten den Begriff zur Abgrenzung und Ausgrenzung. Björn Höcke und andere AfD-Politiker verwenden den Begriff ebenfalls regelmäßig, um eine vermeintliche Bedrohung der deutschen Identität durch Einwanderung zu beschwören. Die Verwendung des Begriffs zielt oft darauf ab, ein Gefühl der Bedrohung und des Verlustes der eigenen Identität zu erzeugen, um politische Unterstützung zu mobilisieren. Auch die Gründung von Heimatministerien, etwa durch Horst Seehofer (CSU), trug zur Renaissance des Begriffs bei.
Die NS-Ideologie instrumentalisierte den Begriff „Heimatschutz“, um die Blut-und-Boden-Ideologie zu verbreiten und eine vermeintliche „Volksgemeinschaft“ zu konstruieren (Mosse, George L. *Die Nationalisierung der Massen*. Ullstein, 1975). Der Begriff diente dazu, regionale Identitäten zu homogenisieren und in den Dienst der nationalsozialistischen Ziele zu stellen (Schmitz, Helmut. *Heimat, Volkstum, Architektur: Sondierungen zum architektonischen Regionalismus*. transcript Verlag, 2022). Die Verwendung des Begriffs in der NS-Zeit ist ein Beispiel für die ideologische Aufladung von ursprünglich harmlosen Begriffen (Jäger, Margarete. *Sprache und Macht*. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2008). Die Kontinuität der Verwendung des Begriffs in rechtsextremen Kreisen nach 1945 zeigt die anhaltende Relevanz der NS-Ideologie (Gensing, Patrick. *Die Rechten*. Rotbuch Verlag, 2017).