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"Schuldkult"

NS-instrumentalisiert
Von: AfD, Neue Rechte, Rechtsextremisten
Datum: 2017 (Jens Maier)
Hintergrund:
Der Begriff "Schuldkult" wird primär von Rechtsextremisten, der Neuen Rechten und Rechtspopulisten verwendet, um die nach 1945 entstandene Erinnerungskultur an die Verbrechen des Nationalsozialismus, insbesondere das Gedenken an den Holocaust, abzuwerten. Er ist Teil eines Geschichtsrevisionismus, der die deutsche Verantwortung für die NS-Verbrechen abwehrt, abwertet, leugnet oder verharmlost. Die Erinnerung an die NS-Zeit wird demagogisch als Unterdrückung Deutschlands dargestellt, die künftige Generationen mit einer angeblichen Kollektivschuld belaste. Alexander Gauland relativierte die NS-Zeit als "Vogelschiss", während Björn Höcke eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" forderte. Der Begriff wurde in den 1980er Jahren in der Neonazi-Szene geprägt und wird heute von der AfD und Pegida genutzt, um das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu schmälern und nationalistische Ziele zu verfolgen.
Kontext:
Abwertende Bezeichnung der deutschen Erinnerungskultur an die NS-Verbrechen, insbesondere den Holocaust, durch Rechtsextremisten und Rechtspopulisten. Jens Maier (AfD) erklärte 2017 den "Schuldkult für beendet".
Einordnung

Der Begriff wurde zwar nicht direkt im Nationalsozialismus geprägt, ist aber NS-kontaminiert, da er die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit delegitimiert und relativiert. Die Verwendung des Begriffs dient dazu, die deutsche Schuld am Holocaust zu leugnen oder zu verharmlosen und somit eine positive Bezugnahme auf die deutsche Geschichte vor 1945 zu ermöglichen. Die Neue Rechte knüpft an antidemokratische Denker der Weimarer Republik an, deren Ideen nicht eindeutig vom Nationalsozialismus zu trennen sind (Botsch 2012, S. 17-59).

Strategische Funktion

1. DELEGITIMIERUNG: Die Erinnerungskultur wird als "Schuldkult" abgewertet, um die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit zu diskreditieren. Dies untergräbt die moralische Grundlage der heutigen deutschen Gesellschaft.
2. GESCHICHTSREVISIONISMUS: Durch die Relativierung der NS-Verbrechen wird versucht, ein positives Geschichtsbild zu konstruieren und den Nationalstolz zu stärken. Dies verzerrt die historische Realität und gefährdet die Aufarbeitung der Vergangenheit.
3. IDENTITÄTSSTIFTUNG: Der Begriff dient dazu, eine Opferrolle für Deutsche zu konstruieren und ein "Wir-Gefühl" gegen die vermeintliche "Erinnerungsdiktatur" zu erzeugen. Dies spaltet die Gesellschaft und fördert nationalistische Tendenzen.
4. NORMALISIERUNG RECHTEN GEDANKENGUTS: Durch die Etablierung des Begriffs im öffentlichen Diskurs wird rechtsextremes Gedankengut normalisiert und salonfähig gemacht. Dies verschiebt die Grenzen des Sagbaren und gefährdet die Demokratie.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Quiz: Wahre Bedeutung

Was bedeutet der Begriff "Schuldkult" tatsächlich? Wähle die korrekte Aussage aus.

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