Zurück zur Übersicht
Vorheriges: JournailleNächstes: Kristallnacht

"Kampfzeit"

Rückläufig
Von: Verschiedene rechtsextreme Akteure
Datum: 2015

Nutzungshäufigkeit

Kampfzeit"
Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

Journaille (Graph)Kristallnacht (Graph)
Hintergrund:
Der Begriff 'Kampfzeit' beschreibt eine Periode des Kampfes und der Auseinandersetzung. Er wurde bereits vor dem Nationalsozialismus verwendet, erfuhr jedoch während der NS-Zeit eine massive Aufwertung und Instrumentalisierung. Die Nationalsozialisten nutzten den Begriff, um die Zeit ihres Aufstiegs und die Durchsetzung ihrer Ideologie als einen notwendigen Kampf gegen innere und äußere Feinde darzustellen. Nach 1945 geriet der Begriff zunächst in Vergessenheit, wird aber seit einigen Jahren von rechtsextremen Gruppierungen wiederbelebt, um eine vermeintliche 'Zeit des Kampfes' gegen die 'Überfremdung' und den 'Verlust der nationalen Identität' zu beschwören. Die Verwendung des Begriffs dient dazu, eine Atmosphäre der Bedrohung und des Handlungsdrucks zu erzeugen und die Anhänger zur aktiven Teilnahme an einem vermeintlichen 'Abwehrkampf' zu mobilisieren.
Kontext:
Der Begriff wird in rechtsextremen Foren und Publikationen verwendet, um eine Zeit des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs zu beschreiben, in der vermeintlich 'deutsche' Werte und Traditionen verteidigt werden müssen.
Einordnung

Der Begriff 'Kampfzeit' wurde im Nationalsozialismus ideologisch aufgeladen und zur Rechtfertigung von Gewalt und Unterdrückung verwendet. Zahlreiche NS-Publikationen und Reden belegen die Verwendung des Begriffs im Kontext der nationalsozialistischen Ideologie. Obwohl der Begriff nicht ausschließlich im NS geprägt wurde, ist seine heutige Verwendung durch Rechtsextreme stark NS-kontaminiert, da er bewusst an die propagandistische Aufladung der NS-Zeit anknüpft. Siehe z.B. Goebbels' Reden und Publikationen (Referenz: Goebbels, Joseph: Die Zeit ohne Beispiel. Reden und Aufsätze aus den Jahren 1939/40. München: Zentralverlag der NSDAP, 1941).

Strategische Funktion

1. MOBILISIERUNG: Durch die Beschwörung einer 'Kampfzeit' wird ein Gefühl der Dringlichkeit und Bedrohung erzeugt, das die Anhänger zur aktiven Teilnahme an rechtsextremen Aktivitäten motivieren soll. Dies ist demokratiegefährdend, da es zu einer Radikalisierung und Gewaltbereitschaft führen kann.
2. LEGITIMIERUNG: Der Begriff dient dazu, rechtsextreme Ideologien und Handlungen als notwendige Reaktion auf eine vermeintliche Bedrohung darzustellen. Dies untergräbt die demokratischen Werte der Toleranz und des Respekts vor Andersdenkenden.
3. IDENTITÄTSSTIFTUNG: Die gemeinsame Erfahrung einer 'Kampfzeit' soll die Anhänger zusammenschweißen und eine starke Gruppenidentität schaffen. Dies kann zu einer Abgrenzung von der Mehrheitsgesellschaft und einer Verfestigung extremistischer Überzeugungen führen.
4. GESCHICHTSREVISIONISMUS: Durch die Wiederbelebung eines NS-belasteten Begriffs wird versucht, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu relativieren und die eigene Ideologie in eine vermeintlich positive historische Tradition zu stellen. Dies verzerrt das Geschichtsbild und gefährdet die Erinnerungskultur.
VorherigesJournaille
NächstesKristallnacht