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"Kristallnacht"

Rückläufig
Von: Joseph Goebbels (NSDAP)
Datum: 9. November 1938

Nutzungshäufigkeit

Kristallnacht"
Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Hintergrund:
Der Begriff "Kristallnacht" wurde von der NS-Propaganda geprägt, um die Pogrome vom 9. auf den 10. November 1938 zu beschreiben. Er spielt zynisch auf die vielen zerbrochenen Glasscheiben jüdischer Geschäfte und Synagogen an, die während der Ausschreitungen zerstört wurden. Die Bezeichnung verharmlost die Gewalt und den Terror, denen jüdische Bürger ausgesetzt waren. Nach 1945 wurde der Begriff zunächst beibehalten, aber zunehmend kritisiert. Heute wird er von vielen Historikern und Gedenkstätten abgelehnt, da er die tatsächliche Brutalität der Ereignisse verschleiert und die Opfer verhöhnt. Stattdessen wird oft der Begriff "Novemberpogrome" verwendet, um die Ereignisse angemessener zu benennen. Trotz der Kritik wird der Begriff "Kristallnacht" weiterhin verwendet, insbesondere in rechtsextremen Kreisen, um die Ereignisse zu relativieren oder zu leugnen.
Kontext:
Die "Kristallnacht", auch Novemberpogrome genannt, ereignete sich am 9. und 10. November 1938. Sie markierte einen Wendepunkt in der Verfolgung der Juden im nationalsozialistischen Deutschland. Unter dem Vorwand der Vergeltung für den Mord an einem deutschen Diplomaten in Paris inszenierte die NS-Führung unter Joseph Goebbels einen reichsweiten Pogrom gegen jüdische Bürger, ihre Geschäfte, Synagogen und Wohnhäuser. Die Ereignisse wurden von der SA, SS und anderen NS-Organisationen durchgeführt und von der Bevölkerung teilweise unterstützt oder geduldet. Die Polizei griff nicht ein oder schritt nur zögerlich ein. Die "Kristallnacht" war ein klarer Bruch mit der Rechtsordnung und ein Vorbote des Holocaust.
Einordnung

Die Verwendung des Begriffs "Kristallnacht" ist NS-kontaminiert, da er von der NS-Propaganda geschaffen wurde, um die Pogrome zu verharmlosen und zu verschleiern (vgl. Victor Klemperer, LTI – Notizbuch eines Philologen). Die Bezeichnung dient dazu, die staatlich organisierte Gewalt als spontanen Ausbruch zu inszenieren und die Verantwortung der NS-Führung zu verschleiern. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten belegen die NS-Instrumentalisierung des Begriffs (z.B. Saul Friedländer, Das Dritte Reich und die Juden). Die Verwendung des Begriffs, insbesondere ohne kritische Einordnung, kann daher als Relativierung der NS-Verbrechen interpretiert werden.

Strategische Funktion

1. FUNKTION: Verharmlosung der NS-Verbrechen: Der Begriff "Kristallnacht" lenkt von der systematischen Verfolgung und Ermordung der Juden ab, indem er die Pogrome als "Nacht des zerbrochenen Glases" darstellt und so die Brutalität und den Terror herunterspielt.
2. FUNKTION: Verschleierung der Täter: Die Bezeichnung verschleiert die staatliche Organisation und Planung der Pogrome durch die NS-Führung und stellt sie als spontanen Ausbruch dar, wodurch die Verantwortung der Täter relativiert wird.
3. FUNKTION: Relativierung des Holocaust: Durch die Verharmlosung der "Kristallnacht" wird der Holocaust als singuläres Ereignis dargestellt, wodurch die Kontinuität der NS-Verbrechen und die systematische Vernichtungspolitik verschleiert werden.
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