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"Kopftuchmädchen"

Abwertende Stereotypisierung
Von: Alice Weidel, Thilo Sarrazin
Datum: 2010 (Sarrazin), 2017 (Weidel)
Hintergrund:
Der Begriff "Kopftuchmädchen" wurde von Thilo Sarrazin im Jahr 2010 geprägt und später von Alice Weidel in einer Generalaussprache im Bundestag verwendet. Er dient dazu, muslimische Frauen und Mädchen auf ihr Kopftuch zu reduzieren und ihnen Individualität und Persönlichkeit abzusprechen. Der Begriff suggeriert eine homogene Gruppe von Frauen, die angeblich nicht zum Wohlstand beitragen und sich der westlichen Gesellschaft nicht anpassen wollen. Die Verwendung des Wortes "Mädchen" für erwachsene Frauen ist zusätzlich abwertend und entmündigend. Obwohl der Begriff selbst keine direkte NS-Verbindung hat, ist seine Verwendung im Kontext von Ausgrenzung und Diskriminierung bedenklich, da er an rassistische Stereotype erinnert und zur Spaltung der Gesellschaft beiträgt. Die Debatte um das Kopftuch erinnert an die These vom "clash of civilizations" (Huntington) und die französische "Kopftuch-Affäre" ("affaire du foulard").
Kontext:
Der Begriff wurde von Thilo Sarrazin geprägt und später von Alice Weidel im Bundestag verwendet, um muslimische Frauen abzuwerten und ihnen mangelnde Integrationsbereitschaft zu unterstellen. Die Verwendung löste Empörung aus.
Einordnung

Obwohl der Begriff "Kopftuchmädchen" nicht direkt im Nationalsozialismus geprägt wurde, ist seine Verwendung im Kontext von Ausgrenzung und Diskriminierung bedenklich. Die Reduktion von Menschen auf ein einzelnes Merkmal und die Unterstellung mangelnder Integrationsbereitschaft erinnern an rassistische Stereotype, die im NS-Regime zur Ausgrenzung und Verfolgung von Minderheiten verwendet wurden. Die Verwendung des Begriffs trägt zur Spaltung der Gesellschaft bei und kann als Vorstufe zu offenerer Diskriminierung betrachtet werden.

Strategische Funktion

1. DELEGITIMIERUNG: Muslimische Frauen werden als homogene Gruppe dargestellt und abgewertet, was ihre gesellschaftliche Teilhabe erschwert und Vorurteile verstärkt. Dies untergräbt die Prinzipien der Gleichberechtigung und Religionsfreiheit.
2. SPALTUNG: Der Begriff zielt darauf ab, eine "Wir gegen Die"-Mentalität zu erzeugen, indem er muslimische Frauen als fremd und nicht zugehörig darstellt. Dies gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt und fördert Feindseligkeit.
3. ABLENKUNG: Die Fokussierung auf das Kopftuch lenkt von den tatsächlichen Problemen und Herausforderungen im Bereich der Integration ab und verhindert eine konstruktive Auseinandersetzung mit den Ursachen von Diskriminierung und Ausgrenzung.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Quiz: Wahre Bedeutung

Was bedeutet der Begriff "Kopftuchmädchen" tatsächlich? Wähle die korrekte Aussage aus.

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