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"Parasit"

NS-instrumentalisiert
Von: Rechtsextreme Parteien, Rechtspopulisten
Datum: Variiert, häufig in aktuellen politischen Debatten
Hintergrund:
Der Begriff 'Parasit' hat eine biologische Bedeutung, wurde aber im Nationalsozialismus ideologisch aufgeladen und zur Diffamierung und Entmenschlichung von Juden und anderen als 'minderwertig' betrachteten Gruppen verwendet. Die NS-Propaganda stellte diese Gruppen als Schädlinge dar, die den 'Volkskörper' befallen und aussaugen würden. Nach 1945 wurde der Begriff zunächst seltener verwendet, erlebt aber seit den 1990er Jahren eine Renaissance in rechtsextremen und rechtspopulistischen Kreisen. Dort wird er genutzt, um Ressentiments zu schüren und Feindbilder zu konstruieren, oft in subtilerer Form als während der NS-Zeit, aber mit ähnlicher Wirkung. Die Kolumne von Thomas Fischer im Spiegel deutet an, dass der Begriff im Kontext von Volksverhetzung und Hassrede verwendet wird.
Kontext:
Der Begriff wird in der politischen Auseinandersetzung verwendet, um bestimmte Bevölkerungsgruppen (z.B. Migranten, Juden, politische Gegner) abzuwerten und als Schmarotzer darzustellen, die die Gesellschaft ausbeuten. Dies geschieht oft im Kontext von Debatten über Migration, Sozialleistungen oder politische Korrektheit.
Einordnung

Die Verwendung des Begriffs 'Parasit' zur Entmenschlichung von Bevölkerungsgruppen ist im NS-Sprachgebrauch dokumentiert. Siehe z.B. die Analyse von Wolfgang Benz in 'Was ist Antisemitismus?' (Bundeszentrale für politische Bildung, 2004) und Klaus-Peter Beins 'Die Sprache des Nationalsozialismus' (Stuttgart, 2002). Die 'Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte' könnten weitere Belege liefern, obwohl der konkrete Textinhalt nicht zugänglich ist.

Strategische Funktion

1. DELEGITIMIERUNG: Durch die Verwendung des Begriffs 'Parasit' werden bestimmte Gruppen als minderwertig und schädlich für die Gesellschaft dargestellt, was ihre Legitimität als Teil der Gesellschaft untergräbt. Dies dient dazu, ihre politische Teilhabe zu erschweren und sie auszugrenzen.
2. EMOTIONALISIERUNG: Der Begriff 'Parasit' weckt negative Emotionen wie Ekel, Abscheu und Angst. Diese Emotionen werden genutzt, um Ressentiments zu schüren und die Anhänger zu mobilisieren. Die Emotionalisierung verhindert eine rationale Auseinandersetzung mit den eigentlichen Problemen.
3. IDENTITÄTSSTIFTUNG: Die Abgrenzung von den vermeintlichen 'Parasiten' stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl der eigenen Gruppe. Indem man sich gegen einen gemeinsamen Feind positioniert, wird die eigene Identität gefestigt und die Solidarität innerhalb der Gruppe erhöht. Dies kann zu einer Radikalisierung der eigenen Positionen führen.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Quiz: Wahre Bedeutung

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