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"Lebensraum"

NS-Kernvokabular
Von: Nationalsozialisten, Alldeutscher Verband
Datum: 3. Februar 1933
Hintergrund:
Der Begriff "Lebensraum" erfuhr seine erste Popularisierung durch den Geographen Friedrich Ratzel im späten 19. Jahrhundert, der ihn im Kontext von Staaten als Organismen im "Kampf ums Dasein" verwendete. Der Alldeutsche Verband griff die Idee auf und forderte die Erschließung neuer Siedlungsgebiete im Osten. Adolf Hitler radikalisierte den Begriff in "Mein Kampf" und instrumentalisierte ihn als zentrale Säule der NS-Ideologie. Er knüpfte an bestehende Vorstellungen vom Osten als Siedlungsgebiet an, untermauerte diese jedoch rassistisch-ideologisch. Die NS-Führung plante und realisierte im Zweiten Weltkrieg unter dem Vorwand der "Lebensraumgewinnung" die systematische Vertreibung, Versklavung und Ermordung von Millionen Menschen in Osteuropa, insbesondere Slawen, Juden, Sinti und Roma. Nach 1945 wurde der Begriff aufgrund seiner NS-Belastung weitgehend vermieden, erlebt jedoch in rechtsextremen Kreisen eine gelegentliche Renaissance.
Kontext:
Adolf Hitler erwähnte in einer Rede vor der Reichswehr sein Ziel einer umfassenden Germanisierung des Ostens. Der Begriff wurde im Kontext des "Generalplan Ost" verwendet, der die Vertreibung und Vernichtung der slawischen Bevölkerung vorsah.
NS-Nachweis

Der Begriff wurde durch die Nationalsozialisten ideologisch aufgeladen und diente als Rechtfertigung für expansionistische und genozidale Politik. Adolf Hitler erwähnte die "Lebensraumpolitik im Osten" bereits 1925 in "Mein Kampf". Der "Generalplan Ost" dokumentiert die konkrete Umsetzung der Lebensraumideologie durch Vertreibung und Vernichtung (Aly & Heim, 1991). Die Rede Hitlers vor der Reichswehr am 3. Februar 1933 belegt die frühe Verankerung des Konzepts in der NS-Führung (Wirsching, 2001).

Strategische Funktion

1. DEHUMANISIERUNG: Die Bewohner der Gebiete, die als "Lebensraum" beansprucht wurden, wurden als minderwertig dargestellt, um ihre Entrechtung und Vernichtung zu rechtfertigen. Dies schuf eine psychologische Distanz, die es den Tätern erleichterte, Gräueltaten zu begehen.
2. TERRITORIALE AGGRESSION: Der Begriff diente als Vorwand für die aggressive Expansion des Deutschen Reiches nach Osten. Er verschleierte die wahren Ziele der NS-Politik, nämlich die Eroberung und Ausbeutung fremder Gebiete.
3. LEGITIMATION VON GEWALT: Die Lebensraumideologie legitimierte den Einsatz von Gewalt und Terror gegen die Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten. Sie präsentierte die brutale Unterdrückung und Vernichtung als notwendige Maßnahmen zur Sicherung des "deutschen Volkes".
4. IDEOLOGISCHE MOBILISIERUNG: Der Begriff diente der Mobilisierung der Bevölkerung für die Kriegsziele des NS-Regimes. Er schuf ein Gefühl der nationalen Notwendigkeit und des "gerechten" Kampfes um Raum und Ressourcen.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Quiz: Wahre Bedeutung

Was bedeutet der Begriff "Lebensraum" tatsächlich? Wähle die korrekte Aussage aus.

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