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"Remigration"

NS-instrumentalisierter Kampfbegriff
Von: Rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien und Akteure
Datum: 2015 (Österreich), 2016 (Deutschland)
Hintergrund:
Ursprünglich bezeichnet 'Remigration' die freiwillige Rückkehr von Emigranten in ihr Herkunftsland. Dieser Begriff wurde jedoch von der Neuen Rechten ab 2015/2016 in Deutschland und Österreich instrumentalisiert, um Massendeportationen von Menschen mit Migrationshintergrund zu fordern. Diese Umdeutung knüpft an völkisch-rassistische Ideologien des 19. Jahrhunderts und Praktiken wie dem transatlantischen Sklavenhandel, dem Siedlungskolonialismus und der Apartheid an. Nach 1945 wurde die Idee der 'Remigration' in neo-völkischen Kreisen aufrechterhalten und dient heute als Tarnvokabel für Deportationspläne, die an die NS-Zeit erinnern (Correctiv 2024). Die Rückkehr jüdischer Emigranten nach 1945 war oft von Enttäuschung und Ablehnung geprägt, was die Komplexität des Begriffs zusätzlich unterstreicht. Jochen Oltmer (2017) betont die Umdeutung des Begriffs durch rechtspopulistische Akteure.
Kontext:
Der Begriff wird von Rechtsextremen als Euphemismus für die erzwungene Vertreibung und Deportation von Menschen mit Migrationshintergrund verwendet, um eine ethnisch homogene Gesellschaft zu schaffen. Dies geschieht oft im Kontext von Verschwörungstheorien über 'umgekehrte Kolonisierung'.
Einordnung

Der Begriff selbst ist nicht im Nationalsozialismus entstanden, jedoch wurde die Idee der erzwungenen 'Entfernung' unerwünschter Bevölkerungsgruppen bereits im NS-Regime durch Vertreibung, Deportation und Vernichtung umgesetzt. Die heutige Verwendung des Begriffs 'Remigration' durch Rechtsextreme knüpft direkt an diese Ideologie an, indem sie eine ethnisch 'reine' Gesellschaft anstreben und die Deportation von Menschen mit Migrationshintergrund fordern (Salzborn 2017). Die Correctiv-Recherche (2024) zeigt die konkreten Pläne rechter Kreise, die an die NS-Zeit erinnern.

Strategische Funktion

1. VERHARMLOSUNG: Durch die Verwendung des neutral klingenden Begriffs 'Remigration' werden die tatsächlichen Absichten – Massendeportationen – verschleiert und somit für ein breiteres Publikum akzeptabler gemacht. Dies untergräbt die öffentliche Wahrnehmung der Gefahr, die von solchen Plänen ausgeht.
2. NORMALISIERUNG: Die ständige Wiederholung des Begriffs in politischen Diskursen trägt dazu bei, die Idee der Deportation von Menschen mit Migrationshintergrund zu normalisieren und als legitime politische Option darzustellen. Dies verschiebt die Grenzen des Sagbaren und untergräbt die Werte einer offenen und vielfältigen Gesellschaft.
3. IDENTITÄTSSTIFTUNG: Der Begriff dient als identitätsstiftendes Element für rechtsextreme Gruppen, indem er eine klare Abgrenzung zu 'Fremden' konstruiert und das Gefühl einer 'bedrohten' nationalen Identität verstärkt. Dies fördert die Spaltung der Gesellschaft und die Ausgrenzung von Minderheiten.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Quiz: Wahre Bedeutung

Was bedeutet der Begriff "Remigration" tatsächlich? Wähle die korrekte Aussage aus.

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