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"Schädling"

NS-Kernvokabular
Von: Adolf Hitler, Joseph Goebbels, Heinrich Himmler
Datum: 1925-1941
Hintergrund:
Der Begriff "Schädling" erfuhr im Nationalsozialismus eine ideologische Aufladung und wurde zur Entmenschlichung von Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, Behinderten und anderen als "minderwertig" oder "asozial" stigmatisierten Gruppen verwendet. Bereits im 19. Jahrhundert gab es antisemitische Tendenzen, die Juden als "wucherndes Ungeziefer" bezeichneten. Adolf Hitler beschrieb in "Mein Kampf" Juden als Parasiten und Krankheitserreger, die das Wirtsvolk absterben lassen. Joseph Goebbels nannte Juden die "Läuse der zivilisierten Menschheit", die man ausrotten müsse. Heinrich Himmler verglich die Judenvernichtung mit der Beseitigung von Läusen, einer "Sache der Sauberkeit". Das NS-Regime schuf mit Gesetzen wie dem "Gesetz gegen gefährliche Gewohnheitsverbrecher" eine rechtliche Grundlage für die Verfolgung von als "asozial" stigmatisierten Menschen. Nach 1945 wurde der Begriff in der extremen Rechten weiterhin verwendet, um Minderheiten zu diffamieren. Auch heute noch findet er Anwendung in rassistischen und rechtsextremen Kontexten, um Feindbilder zu konstruieren und Gewalt zu legitimieren.
Kontext:
NS-Funktionäre bezeichneten Juden und andere marginalisierte Gruppen als "Schädlinge", "Parasiten" oder "Ungeziefer", die es auszurotten gelte, um den "Volkskörper" zu schützen.
Einordnung

Die Verwendung des Begriffs "Schädling" zur Entmenschlichung von Menschengruppen ist im Nationalsozialismus umfassend dokumentiert (Hitler, "Mein Kampf"; Goebbels, Tagebucheinträge; Himmler, Reden). Sarah Jansen analysiert in ihrem Buch "»Schädlinge«: Geschichte eines wissenschaftlichen und politischen Konstrukts, 1840-1920" die historische Konstruktion des "Schädlings" und dessen Verbindung zu Rassenhygiene und Vernichtungsideologien. Die aggressive Rhetorik diente zur Schuldentlastung der Täter und zur Vorbereitung der physischen Vernichtung (GRA, Glossar).

Strategische Funktion

1. ENTMECHLICHUNG: Durch die Reduktion von Menschen auf "Schädlinge" werden Empathie und Mitgefühl untergraben, was die Akzeptanz von Gewalt und Vernichtung erleichtert.
2. LEGITIMIERUNG VON GEWALT: Die Analogie zu Schädlingen suggeriert, dass die Beseitigung dieser Gruppen notwendig und gerechtfertigt ist, um die Gesundheit und Reinheit des "Volkskörpers" zu gewährleisten.
3. SCHAFFUNG EINES FEINDBILDES: Der Begriff dient dazu, eine klare Trennung zwischen "Wir" (die "gesunde" Volksgemeinschaft) und "Sie" (die "schädlichen" Elemente) zu schaffen, was die Solidarität innerhalb der eigenen Gruppe stärkt und die Ausgrenzung der Anderen verstärkt.
4. ABLENKUNG VON SOZIALEN PROBLEMEN: Durch die Fokussierung auf vermeintliche "Schädlinge" werden die eigentlichen Ursachen sozialer Probleme verschleiert und von den Machthabern abgelenkt.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Quiz: Wahre Bedeutung

Was bedeutet der Begriff "Schädling" tatsächlich? Wähle die korrekte Aussage aus.

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