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"Sozialtourismus"

Abwertende Migrationsrhetorik
Von: Politiker (CDU, AfD)
Datum: 2013 (Unwort des Jahres), 2022 (Friedrich Merz)
Hintergrund:
Der Begriff 'Sozialtourismus' wird abwertend verwendet, um Migration und Asylsuche zu diskreditieren. Er suggeriert, dass Geflüchtete lediglich eine Reise unternehmen, um in Deutschland von Sozialleistungen zu profitieren. Diese Darstellung verzerrt die Realität und verharmlost die oft traumatischen Erfahrungen von Menschen, die vor Krieg, Verfolgung oder Armut fliehen. Der Begriff wurde 2013 zum Unwort des Jahres erklärt und erlangte 2022 erneute mediale Aufmerksamkeit, als der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz ukrainischen Kriegsflüchtlingen fälschlicherweise 'Sozialtourismus' vorwarf. Historisch betrachtet, knüpft die Verwendung des Begriffs an ältere Diskurse über 'Wanderungsbewegungen' und 'Überfremdung' an, die bereits im Nationalsozialismus zur Ausgrenzung und Diskriminierung von Minderheiten instrumentalisiert wurden. Auch wenn der Begriff selbst nicht im NS geprägt wurde, so ist die dahinterstehende Ideologie der Ablehnung von Migration und der Diffamierung von Schutzsuchenden anschlussfähig an nationalsozialistisches Gedankengut.
Kontext:
Abwertende Bezeichnung für Migration und Asylsuche, suggeriert, Geflüchtete würden lediglich wegen Sozialleistungen nach Deutschland kommen.
Einordnung

Obwohl der Begriff 'Sozialtourismus' nicht direkt aus der NS-Zeit stammt, ist seine Verwendung im Kontext von Migrationsdebatten NS-kontaminiert, da er an ältere, rassistische Diskurse über 'Überfremdung' und 'Parasitentum' anknüpft, die im Nationalsozialismus zur Ausgrenzung und Verfolgung von Minderheiten verwendet wurden. Die Diffamierung von Schutzsuchenden als 'Sozialtouristen' dient dazu, Ressentiments zu schüren und die Akzeptanz von Migranten in der Gesellschaft zu untergraben. Die Verwendung des Begriffs ist somit indirekt NS-kontaminiert, da sie an eine Ideologie anknüpft, die im Nationalsozialismus zur Rechtfertigung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit diente.

Strategische Funktion

1. DELEGITIMIERUNG: Diffamiert Migranten und Asylsuchende als 'Schmarotzer', die das Sozialsystem ausnutzen. Dies untergräbt ihre Glaubwürdigkeit und erschwert ihre Integration in die Gesellschaft.
2. ANGSTPROPAGANDA: Schürt Ängste vor 'Überfremdung' und 'Belastung' des Sozialsystems durch Migranten. Dies dient dazu, die Bevölkerung zu verunsichern und die Ablehnung von Migration zu verstärken.
3. SPALTUNG DER GESELLSCHAFT: Teilt die Gesellschaft in 'echte' Bürger und 'unechte' Migranten, denen vermeintlich keine Solidarität zusteht. Dies untergräbt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und fördert Feindseligkeit gegenüber Minderheiten.
4. ABLENKUNG: Lenkt von den eigentlichen Ursachen sozialer Probleme ab, indem Migranten als Sündenböcke dargestellt werden. Dies verhindert eine konstruktive Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Migrationspolitik.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Quiz: Wahre Bedeutung

Was bedeutet der Begriff "Sozialtourismus" tatsächlich? Wähle die korrekte Aussage aus.

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