Nutzungshäufigkeit
Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).
Der Begriff 'Umvolkung' hat eine lange und wechselvolle Geschichte, die bis in die Zeit der Weimarer Republik zurückreicht. Er wurde in den 1920er Jahren von völkisch-nationalistischen Kreisen geprägt und erfuhr im Nationalsozialismus eine ideologische Aufladung. Im NS-Regime diente 'Umvolkung' als Euphemismus für die gewaltsame Vertreibung und Umsiedlung von Bevölkerungsgruppen in den besetzten Gebieten Osteuropas, um Platz für 'Volksdeutsche' zu schaffen. Nach 1945 geriet der Begriff zunächst weitgehend in Vergessenheit, erlebte aber in den 1990er Jahren eine Wiederbelebung in rechtsextremen Kreisen. Heute wird 'Umvolkung' vor allem von Akteuren der Neuen Rechten und der AfD verwendet, um gegen Migration und eine vermeintliche 'Überfremdung' Deutschlands zu hetzen. Dabei wird der Begriff bewusst eingesetzt, um an die NS-Zeit anzuknüpfen und Ressentiments gegen Minderheiten zu schüren.
Der Begriff 'Umvolkung' wird heutzutage vor allem von Akteuren der extremen Rechten verwendet, um gegen Migrationspolitik zu hetzen. So echauffierte sich Alexander Gauland (AfD) 2015 anlässlich einer linken Kundgebung in Frankfurt/Oder über ein Transparent mit der Aufschrift »We love Volkstod« und konstatierte, dass die Linkspartei nun »die von ihr schon lange herbeigesehnte ‘Umvolkung’ Deutschlands« eingeleitet habe. 2016 benutzte die CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla1 den Begriff 'Umvolkung' auf Twitter, um die Migrationspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu kritisieren. Sie schrieb: 'Bundeskanzerlin (Angela) Merkel streitet es ab, (Peter) Tauber träumt. Die Umvolkung Deutschlands hat längst begonnen. Handlungsbedarf besteht!' Ihre Äußerung führte zu heftiger Kritik und Distanzierung innerhalb der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
Der Begriff 'Umvolkung' ist eng mit der nationalsozialistischen Ideologie und den damit verbundenen Verbrechen verbunden. Im 'Vokabular des Nationalsozialismus' wird der Begriff ab 1940 als 'gleichbedeutend mit Eindeutschung' definiert (Schmitz-Berning). Die Nationalsozialisten planten aktiv die 'Umvolkung' des Lebensraums in den von ihnen eroberten Ostgebieten, was die Vertreibung der dort Ansässigen und die Re-Germanisierung der dort lebenden 'Volksdeutschen' beinhaltete (Kellershohn 2016). Die Verwendung des Begriffs 'Umvolkung' dient somit dazu, an diese dunkle Vergangenheit anzuknüpfen und eine Kontinuität zwischen NS-Ideologie und heutigem Rechtsextremismus herzustellen.