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"Volksverräter"

NS-Vokabular
Von: Rechtspopulistische und rechtsextreme Politiker und Parteien (z.B. AfD), Neue Rechte, Identitäre Bewegung
Datum: Seit ca. 2015, insbesondere im Kontext der Flüchtlingskrise und der Corona-Pandemie.
Hintergrund:
Der Begriff 'Verräter' ist älter, aber die spezifische Zusammensetzung 'Volksverräter' erlangte im Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik an Bedeutung. Im Nationalsozialismus wurde er zentral für die Ausgrenzung und Verfolgung politischer Gegner, Juden und anderer unerwünschter Gruppen verwendet. Nach 1945 wurde der Begriff in der Bundesrepublik Deutschland weitgehend vermieden, tauchte aber in rechtsextremen Kreisen wieder auf. In der DDR wurde er im Kontext der Abgrenzungspolitik und der Verfolgung von Regimekritikern verwendet. Heute wird er vor allem von rechtspopulistischen und rechtsextremen Akteuren genutzt, um Andersdenkende zu delegitimieren und Hass zu schüren. Die NS-Verbindung besteht in der ideologischen Aufladung und der Verwendung zur Rechtfertigung von Gewalt gegen vermeintliche Feinde des 'Volkskörpers'.
Kontext:
Der Begriff 'Volksverräter' wird heutzutage oft verwendet, um politische Gegner zu diffamieren, die vermeintlich gegen die Interessen des 'Volkes' handeln. Dies geschieht häufig in Bezug auf Migrationspolitik, Corona-Maßnahmen oder die Unterstützung der Ukraine.
NS-Nachweis

Der Begriff 'Volksverräter' wurde im Nationalsozialismus systematisch zur Ausgrenzung und Verfolgung von Minderheiten und politischen Gegnern eingesetzt. Propagandaminister Joseph Goebbels nutzte ihn häufig, um Hass zu schüren und die Bevölkerung aufzuhetzen. Cornelia Schmitz-Berning analysiert den Begriff ausführlich im Kontext der NS-Sprache. Victor Klemperer beschreibt in seiner 'LTI' die inflationäre Verwendung und ideologische Aufladung des Begriffs. Die NS-Kontaminierung liegt in der Instrumentalisierung des Begriffs zur Legitimierung von Terror und Gewalt gegen als 'volksfremd' definierte Gruppen.

Strategische Funktion

1. DELEGITIMIERUNG: Durch die Diffamierung als 'Volksverräter' werden Andersdenkende aus dem demokratischen Diskurs ausgeschlossen und ihre Positionen abgewertet. Dies gefährdet die freie Meinungsbildung und den Wettbewerb der Ideen.
2. MOBILISIERUNG: Der Begriff schürt Emotionen wie Wut und Hass, was die Anhänger zusammenschweißt und zu Aktionen motiviert. Diese Mobilisierung kann zu verbalen und physischen Angriffen auf die Betroffenen führen.
3. UNTERGRABUNG DES VERTRAUENS: Indem Politiker, Journalisten oder andere Akteure als 'Volksverräter' dargestellt werden, wird das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit des Staates und seiner Institutionen systematisch untergraben. Dies schwächt die Demokratie und öffnet die Tür für autoritäre Tendenzen.
4. RECHTFERTIGUNG VON GEWALT: Die Zuschreibung des 'Volksverräters' kann als Rechtfertigung für verbale und physische Angriffe auf die Betroffenen dienen. Dies führt zu einer Eskalation der Gewalt und gefährdet den gesellschaftlichen Frieden.
5. ETABLIERUNG EINER OPFERROLLE: Durch die Behauptung, das 'Volk' werde von 'Verrätern' unterdrückt, wird eine Opferrolle konstruiert, die zur Rechtfertigung eigener politischer Ziele dient. Dies verzerrt die Realität und dient der Manipulation der öffentlichen Meinung.

Nutzungshäufigkeit (1920 - Heute)

Das "Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph visualisiert das typische Wiederaufleben historisch belasteter Begriffe: Wenig genutzt vor 1920, extrem populär während der NS-Diktatur (1933-1945), danach weitgehend tabuisiert und verschwunden, bis zur bewussten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart (ab 2015).

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Quiz: Wahre Bedeutung

Was bedeutet der Begriff "Volksverräter" tatsächlich? Wähle die korrekte Aussage aus.

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